GLAUBEN.GEMEINSAM.GESTALTEN.
Pfarrer Schröder informiert über den Stand des Bistumsprozesses, ergänzt um eigene Übelegungen...
GLAUBEN.GEMEINSAM.GESTALTEN.
Unter diesem Leitwort hat unser Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zusammen mit den Generalvikaren Dr. Michael Bredeck und Thomas Dornseifer am 8. April dieses Jahres einen möglichen Weg aufgezeigt für die Seelsorge und Verwaltung im Erzbistum Paderborn bis 2040.
Notwendig ist eine grundlegende Veränderung durch die stark abnehmende Anzahl der Priester im aktiven Dienst. 2040 wird es noch ca. 100 Priester geben; zurzeit sind es ca. 400. Außerdem spielt der demographische Wandel eine große Rolle ebenso wie die weiterhin hohe Anzahl der Kirchenaustritte.
Die hierarchisch-sakramentale Verfassung der katholischen Kirche sieht vor, dass die Leitung einer Pfarrei immer ein Priester haben muss. Schon lange haben wir für die ca. 600 Pfarreien nicht genügend Priester, so dass seit dem Jahr 2000 Pastoralverbünde (z.B. Esloher Land, Fredeburger Land, Schmallenberger Land, Dorlar-Wormbach und Wilzenberg) gegründet worden sind; hier bei uns mit selbständig geblieben Pfarreien mit jeweiligem Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. Diese Pastoralverbünde waren wegen des fehlenden hauptamtlichen Personals (Priester, Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen) schon 2010 „zu klein“, sodass die Pastoralen Räume geschaffen wurden.
Bei uns ist dies der Pastorale Raum Schmallenberg-Eslohe mit 28 Kirchengemeinden (Pfarreien, Pfarrvikarien und einer Filialgemeinde). Ein Pfarrer leitet das Pastoralteam mit Priestern, Diakon und Gemeindereferentinnen/- referenten. Für die Vermögensverwaltung ist eine Verwaltungsleitung zusammen mit der Verwaltungsreferentin tätig.
Was kommt nun bis 2030 auf uns zu?
Transformation der Seelsorge und der Verwaltung im Erzbistum Paderborn. Unter www.bistumsprozess.de kann das alles detailliert nachgelesen werden.
Was bedeutet das?
Es werden durch den Erzbischof maximal 25 Seelsorgeräume gegründet, die verwaltungsmäßig jeweils eine Pfarrei sein sollen. Dann gibt es einen Kirchenvorstand für den Seelsorgeraum. Aus besonderen Gründen können auch in einem Seelsorgeraum bis zu drei Pfarreien gegründet werden mit jeweiligem Kirchenvorstand.
Für die Seelsorge und Verwaltung gibt es ein Pastorales Zentrum. Dort angesiedelt ist der leitende Pfarrer, die Verwaltungsleitung, die Pastorale Koordination (=ein neuer Beruf im pastoralen Dienst), und die Ehrenamtsunterstützung (eine Stelle im pastoralen Dienst).
Hinzu kommen im Seelsorgeraum „verlässliche Orte“, die noch nicht genau inhaltlich umschrieben sind. Das können Kirchen, Einrichtungen oder Initiativen sein - so die bisherigen Aussagen. Diese Orte sollten besetzt sein mit hauptamtlichem Personal und/ oder Ehrenamtlichen.
Die territoriale Umschreibung der Seelsorgeräume soll bis März 2026 durch den Erzbischof erfolgen. Ein Seelsorgeraum kann die Größe eines jetzigen Dekanates haben, was aber nicht so werden muss. Bei uns wäre das beispielsweise das Gebiet von Schmallenberg, Eslohe, Meschede und Bestwig. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass es in diesem Seelsorgeraum zwei Pfarreien geben sollte, gebildet aus den bisherigen beiden Pastoralen Räumen Schmallenberg-Eslohe und Meschede-Bestwig. Jedenfalls werden durch die Entscheidung des Erzbischofs die jetzigen Kirchengemeinden aufgelöst.
Es ist noch so vieles offen. Was sind die Risiken, Chancen, Herausforderungen und Probleme dieser Transformation bis 2030?
Risiken:
- Die Auflösung der örtlichen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte wird einen Verlust an ehrenamtlich Engagierten mit sich bringen. Wie wird z.B. der neue Kirchenvorstand für das große Pfarrei-Gebiet tätig werden mit weniger Ehrenamtlichen in den Gemeinden?
- Der Einsatz der hauptberuflichen Seelsorger und Seelsorgerinnen ist nicht klar. Wie behalten sie einen Bezug zu den seelsorglichen Anliegen der Kirchenmitglieder?
- Finden die Kirchenmitglieder einen Ort für ihren Glauben, wenn der bisherige Ort nicht mehr „verlässlich“ ist?
- Werden Kirchenmitglieder bleiben, wenn sie erfahren, dass die kirchlichen Dienste nicht in ihrer Nähe zu finden sind? Werden sie dorthin gehen, wo die Sakramente gefeiert werden? Wer entscheidet, wo was gemacht wird?
- Wie wird sich eine christliche Gemeinde zusammenfinden? Es ist mir nicht klar, wie katholische Gemeinde und Gemeinschaft auf Dauer leben wird.
Es gibt aber auch Chancen:
- An den „verlässlichen Orten“ können neue Formen des Glaubenslebens entstehen; denken wir z.B. an die Lichter- und Zuspruchskirche in Gleidorf und an die Wallfahrtsorte Wormbach, Wilzenberg und Bödefeld (Kreuzberg).
- Die pastoralen Berufe sollen ein neues Profil gewinnen. Neue Arbeitsfelder entstehen für das Personal: Jungendpastorale Zentren, Seelsorge im touristischen Umfeld usw.
Herausforderungen und Probleme:
- Wie funktioniert die Verwaltung des kirchlichen Vermögens in den einzelnen Orten? Wie werden Kirchenmitglieder motiviert für „ihre“ Kirche oder „ihren“ Friedhof tätig zu werden?
- Wer versteht dann die Rechenwerke der neuen Pfarrei, also die Jahresrechnungen und Haushaltspläne in solch einem großen Seelsorgeraum?
- Der neue Kirchenvorstand und das neue Pastorale Gremium „Rat der Pfarrei“ hat die Immobilien auf den Prüfstand zu stellen und zu entscheiden, wie 30% der Fläche von Kirchen und Pfarrheimen eingespart werden können.
Dies sind einige Aspekte, die mich zurzeit bewegen. Was ist heute zu tun?
Ich bin dankbar, dass Sie in den allermeisten Kirchengemeinden Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlen der Kirchenvorstände und der Pastoralen Gremien gefunden haben. So können wir gemeinsam im Pastoralverbundsrat und im Finanzausschuss die nächsten vier Jahre angehen und selber mitgestalten, wie die geplante Transformation gelingen kann.
In 2026 werden wir wegen personeller Veränderung im Pastoralteam die Vorbereitung auf das Firmsakrament umgestalten müssen, möglichst so, dass dies auch in einem neuen Seelsorgeraum angewandt werden könnte.
Die katholischen Kindergärten, die katholischen öffentlichen Büchereien, der Jugendtreff Schmallenberger Land sind z.B. jetzt schon „verlässliche“ Orte des kirchlichen Lebens. Außerdem haben wir die christlichen Vereine und Verbände. Nicht zu vergessen sind der Caritasverband oder die kirchlichen Beratungsstellen. Dies alles sollte auch so bleiben.
Dankbar bin ich, dass die Renovierung der Cobbenroder Kirche vor der Vollendung steht. Und auch die Wormbacher Kirche soll noch von innen renoviert werden. Jetzt sind in den Gemeinden Engagierte da, die das alles verantwortlich durchführen. Danke.
Übrigens: Die Transformation betrifft auch die Verwaltung des Erzbistums, denn die Gemeindeverbände der Kirchengemeinden werden vom Erzbischof aufgelöst und gehen ein in eine neue Bistumsverwaltung mit Standorten in Meschede, Dortmund und Hövelhof.
Wie sehe ich heute die Zukunft unserer katholischen Kirche?
- Sie wird kleiner werden. Sie wird Sakramente kaum feiern können (wenige Priester). Deswegen wird in der Weltkirche die Diskussion um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt notwendig werden. Bei der Amazonas-Synode 2019 gab es schon eine Entscheidung für die Freistellung des Zölibates der Priester, leider ohne echte Konsequenzen. Papst Leo XIV. wird hoffentlich die synodale Verfassung der Kirche stärken und zu guten Ergebnissen kommen.
- Kirche wird leben, wenn Christinnen und Christen sich versammeln und aus dieser Versammlung heraus liebevoll leben.
Mit diesem Text gebe ich an Sie weiter einige Aspekte meiner persönlichen Sicht auf die kommenden Jahre. Darüber reden und diskutieren ist wichtig. Auch der Finanzausschuss unseres Pastoralverbundes Schmallenberg-Eslohe hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Thema der Transformation befasst.
Ebenso widmet sich die Bistumszeitung „wirzeit“ in der Ausgabe 02/2025 (Exemplare liegen in den Kirchen aus) ausführlich, u.a. mit Stimmen/Meinungen verschiedener Personen aus dem Erzbistum, diesem uns alle betreffenden Prozess.
Der Erzbischof ist dankbar für jede Rückmeldung.
In unserem Gebiet wird deswegen am 19.9.25, um 18.30 Uhr zu einer Regionalversammlung in die Stadthalle Schmallenberg vom Erzbistum eingeladen. Anmeldung über www.bistumsprozess.de „Regionalkonferenzen“.
Außerdem verlegt der Erzbischof seinen Amtssitz vom 5.-12.10.2025 ins Sauerland. Unter dem Titel „WIR. HIER. JETZT.“ steht diese Woche ganz im Zeichen von Begegnung, Dialog und Glaubenskommunikation.
Eine Informationsseite mit allen relevanten Informationen finden Sie hier:
https://www.erzbistum-paderborn.de/erzbistum-und-erzbischof/wir-hier-jetzt/
GLAUBEN.GEMEINSAM.GESTALTEN.
Darum geht es in allen Kirchengemeinschaften, seitdem Jesus von Nazareth mit seinem Leben, Sterben und seiner Auferweckung Menschen zusammengeführt hat, die beim Brechen des Brotes und beim Hören der Heiligen Schrift so gestärkt wurden, dass sie ihr Leben in Liebe gestalten wollten. Um seinen Geist bitte ich in uns und unter uns!
Schmallenberg, 31. Juli 2025
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Georg Schröder, Pfarrer