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"Suchet der Stadt Bestes"

Predigt im ökumenischen Gottesdienst am 8.September anlässlich des 775 jährigen Stadtjubiläums

Dialogpredigt im ökumenischen Gottesdienst am Sonntag, den 8. September 2019 anlässlich des 775 jährigen Stadtjubiläums
U = Pfarrerin Ursula Groß, ev. Kirchengemeinde Gleidorf
G = Pfarrer Georg Schröder, kath. Kirchengemeinde St. Alexander Schmallenberg



U.: "Suchet der Stadt Bestes" – das ist unser Thema heute Morgen, liebe Gemeinde

G.: Das braucht man doch nicht zu s u c h e n, was der Stadt Bestes ist, das weiß man doch. Oder? Was mag das Beste für Schmallenberg sein?
Dass die Menschen hier gut und gerne leben und arbeiten
Dass man gut versorgt ist auch im Alter
Dass Kinder und Jugendliche sich entwickeln können und ausgebildet werden
Dass es genug Arbeitsstellen gibt in unterschiedlichsten Zweigen von Wirtschaft, Dienstleistung und Tourismus…
Dass viele hier Heimat finden…

G.: Ich frage weiter: Aber was ist denn überhaupt – eine Stadt? Ist das der Wilzenberg oder ist das die Ost- und die Weststraße? 
Ist das die Skulptur auf dem Kreisverkehr am Ortseingang oder sind das die Gemeindehäuser von St. Alexander oder von der Christuskirche? 
Ist das das Rathaus oder der Schützenplatz?

U.: Ja, was ist eine Stadt? Sind das die Menschen oder die Gebäude oder die Tiere, sind das die Einheimischen oder die Zugezogenen oder die Migranten?

G.: Vielleicht sagt einer: Die Stadt – das ist eben alles

U.: Das ist möglich. Aber was ist dann das Beste für die Stadt in all ihrer Vielfalt? Ob z. B. das Beste für die Ausländer auch das Beste für die Einheimischen ist – da gibt es gewiss verschiedene Meinungen zu.

Ich möchte unseren Blick darum jetzt einfach mal auf die Bibel lenken. Die Aufforderung "Suchet der Stadt Bestes" steht ja im Alten Testament bei dem Propheten Jeremia.

G.: Genauer gesagt steht sie in einem Brief, den der Prophet Jeremia nach Babylon geschrieben hat. Dort gab es Leute, die den Gefangenen Israeliten erzählten, sie kämen bald wieder nach Hause. Deshalb sollten sie sich von allem fernhalten, was mit dem Fremden zu tun hätte. Und da schreibt der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes einen Brief nach Babylon: 

"Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte, nehmt Euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter.....Suchet der Stadt Bestes, darin ich Euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohl geht, so geht´s Euch auch wohl."

U.: Also nichts mit Sich-von-den-Anderen-Distanzieren oder Die-Anderen-machen-Lassen; nichts mit abwarten, denn bald wird alles anders sein. Nein: mitmachen, Verantwortung übernehmen, sich einbringen, leben und Leben gestalten – darum geht es – damals und heute.

G.: Das ist eine klare Aufforderung. Aber was ist mit all denen, die sagen: Die Welt ist so böse, die Politik oft so rücksichtslos. Was kann ich kleiner Bürger da schon machen? Ich halte mich da raus. Da muss Gott selber eingreifen und etwas verändern.

U.: Ja, manche erwarten alles von Gott, von Jesus. 

G.: Und manche gucken nur in die Vergangenheit. Sie sagen: Ach, wie war es früher doch alles so viel schöner und besser! Wenn wir doch die alten Zeiten wieder hätten!

U.: Und die Gegenwart spielt dabei keine Rolle. 

G.: Und da sagt Jeremia: "Baut Häuser, pflanzt Gärten, heiratet, zeugt Söhne und Töchter...." Alles ist ganz auf die Gegenwart bezogen. Dabei wird die Zukunft aber nicht ausgeblendet. 
Jeremia sagt ja auch: Es wird nicht immer so bleiben. Gott wird einmal ganz Neues schaffen, er wird Euch wieder in die Heimat bringen. Aber 70 Jahre – so Jeremia – wird das, was jetzt ist, Gegenwart bleiben.
Deshalb: Schaut nicht nach hinten. Erwartet auch nicht alles von Gott, sondern lebt jetzt! Lebt hier und heute!

U.: Lebt und sorgt für Euer Leben! Pflanzt Gärten! steht da. Pflanzt Gärten, deren Früchte ihr ernten könnt und die Euch einen Platz zum Ausruhen und zum Auftanken schenken. Schafft Euch eine Lebensgrundlage, die nicht nur das Notwendige erfüllt, sondern auf der neben dem Sattwerden auch die Freude am Leben ihren Raum hat.

G.: "Pflanzt Gärten und esst ihre Früchte!" Jeder weiß doch, wie lange es dauert, bis in einem neu gepflanzten Garten Früchte wachsen. Also Geduld sollen sie haben, es kann jahrelang dauern. Vielleicht ernten erst die Kinder die Früchte der Bäume, die sie jetzt pflanzen.

U.: Ja, Geduld werden sie brauchen, 70 Jahre ist auch eine lange Zeit.
Aber weißt Du, Georg, mich beschäftigt im Nachdenken über die Aufforderung des Jeremia noch etwas Anderes:
Suchet der Stadt Bestes – bei uns liegen so viele Themen obenauf:
Der 2. viel zu trockene Sommer in Folge – das Wasser wird für uns alle knapp, und unsere Wälder leiden darunter. Haben wir noch Zeit, geduldig zu sein oder drängt nicht die Zeit zur Veränderung?

G.: Ja, ich verstehe, was Du meinst – wie bei anderen Themen ja auch – der Ausbau der Infrastruktur und des Öffentlichen Personennahverkehrs zum Beispiel

U.: Mich beschäftigen diese Themen gerade im Blick auf die Zukunft.
Jeremia schreibt ja auch: "Nehmt Euch Frauen und Männer und zeugt Söhne und Töchter!" 
Da sind die Kinder. Weißt Du, wenn es uns auch egal sein könnte, wie es weitergeht, um der Kinder willen können wir eigentlich nicht die Hände in den Schoß legen. Kinder sind ein Zeichen der Hoffnung, dass es weitergeht und sich die Arbeit lohnt – schon allein dadurch, dass sie da sind

G.: Ja, das ist sicher eine wichtige Aufgabe der christlichen Gemeinde – auf die Zeichen der Hoffnung hinzuweisen. Wir wissen es ja alle: die Hoffnung kann einem abhanden kommen. Manchmal denke ich: Das ist das eigentliche Problem unserer Zeit: Woher bekommen wir Hoffnung? Wie behalten wir Hoffnung? Nicht nur die Hoffnung auf später, sondern die Hoffnung für heute, für hier und jetzt.

U.: Ich glaube, ein ganzes Stück dieser Hoffnung lässt sich dadurch finden und verwirklichen, dass wir uns als Christen in die Welt, in die Stadt hineinbegeben, mit ihr leben – für sie arbeiten und sie so mitverändern.

G.: Aber die Arbeit ist ja nicht das Einzige.

U.: Nein! Jeremia gibt ja noch eine Anweisung, die wir noch gar nicht bedacht haben – und die für uns so wichtig ist wie alles Tun. Er sagt: Suchet der Stadt Bestes – betet für sie zum Herrn."

G.: Das verstehe ich so: Wir Christen haben immer noch einen anderen Bezugspunkt. Wir sehen nie nur das, was vor Augen ist, wir sehen immer noch weiter, höher, tiefer. Wir beziehen Gott immer ein.
Am deutlichsten wird das, wenn wir beten  -  persönlich und gemeinsam wie heute. Gemeinsam vor Gott einfach da sein  -  mit und ohne Worte  -  das schenkt mir immer wieder Hoffnung und Zuversicht.

U.: "Suchet der Stadt Bestes!" Was ist nun das Beste für die Stadt?
Ich glaube: Das Beste ist: Wir können darauf vertrauen: Gott ist mit dieser Stadt und ihren Menschen verbunden.

G.: Und das Zweitbeste ist, dass in dieser Stadt Menschen leben, die ihrerseits Gott zu antworten versuchen mit Taten, die den Menschen helfen, Schmallenberg als eine Heimat zu empfinden, als einen Ort, in dem nicht egal ist, dass es sie gibt. Dann sind sie Menschen, denen es nicht egal ist, was hier passiert. Sie werden immer mehr zu Menschen, die sich von Gott her Maßstäbe suchen, um diese Stadt im Sinne Gottes zu gestalten.

U.: In dem Sinne lasst uns alle mit Gott und miteinander auch in Zukunft der Stadt Bestes suchen. Amen.

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