Schmallenberg vor dem Wilzenberg
Turm St. AlexanderLichtskulptur Rochuskapelle

Euer Herz lasse sich nicht verwirren…

Gedanken von Dechant Georg Schröder im ersten Gottesdienst in Corona-Zeiten am 10. Mai 2020

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!  –  diese Aufforderung Jesu gilt seinen Jüngern in einer Krisenzeit. Es ist die Abschiedsrede Jesu  –  vor seinem Tod. Gibt es eine größere Krise als in das eigene Sterben einzugehen?

Seit acht Wochen leben wir in einer weltweiten Krisenzeit. Corona-Krise. Sie wird in die Geschichte eingehen. Wie wir sie bestehen werden? Das wissen wir nicht. Denn wir stecken mittendrin.
Es geht in dieser Zeit auch um Todesangst  –  bei denen, die vom Virus befallen worden sind. Die meisten kommen gut durch. Aber nicht alle. Die Gefahr einer schweren Erkrankung mit Todesfolge ist da. Wie diese Gefahr zu bewerten ist, ist das Thema in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft  –  und auch in unserer Kirche.
Unter den zwischen Staat und Kirche vereinbarten Rahmenbedingungen feiern wir Gottesdienst. Feiern? Mit Abstand. Mit Angst? Mit dem Willen, Gemeinschaft zu erleben.

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich  –  sagt Jesus auch uns in der aktuellen Krise.
Wir sind wieder zusammen. Dafür haben wir nicht nur das Herz, sondern auch den Verstand sprechen lassen. Wir sind zusammen als Glaubensgemeinschaft. Was ist das für ein Glaube, den wir teilen? Das mag sich jeder und jede selber fragen.
Ich antworte nun persönlich auf die Frage: Was ist das für ein Glaube ist, den ich in den vergangenen 8 Wochen erlebt habe?
Glaub an Gott und glaub an Jesus  –  sagt der Bibeltext. Ich meine, dass dieser Glaube sehr persönlich gelebt wird, dass es nicht den EINEN Glauben in der EINEN Kirche gibt, denn der Umgang mit dem Glauben in dieser Krisenzeit ist sehr unterschiedlich.

  • Die einen hoffen auf ein Wunder: Gott möge das Virus besiegen.
  • Die anderen beten gegen das Virus an.
  • Die einen meinen, dass die Feier der Messe vor einer Ansteckung schütze.
  • Die anderen sehen die Pandemie als Strafe Gottes für die Menschheit, die so lebt, als ob es eine zweite Erde gäbe, wenn die erste Erde verbraucht worden ist.

Was glaube ich selber?

Nichts von dem, was ich hier aufgezählt habe.Ich glaube, dass ich mich der Situation stellen muss, wie sie ist.Dass ich vorsichtig leben muss, um eine Infizierung möglichst zu verhindern.

  • Dass ich aber nicht überängstlich sein will.
  • Ich glaube, dass mein Leben mit allem, was geschieht, noch einmal getragen ist von dem, den wir „Gott“, oder „Jesus“ oder „hl. Geist“ nennen. Ich bin vor keiner Krankheit, vor keinem Unglück, vor keinem Schicksalsschlag sicher. Aber ich glaube, dass Gott da ist, nicht nur in einem Gottesdienst, in einem Sakrament, in der in seinem Namen versammelten Gruppe.
  • Meine erste und letzte Hoffnung ist, dass ich irgendwie mit Gott verbunden bleibe. Immer.

Diese Verbindung lebt sichtbar auf,

  • wenn ich bete und mein Leben, wie es ist, Gott anvertraue.
  • Wenn ich an andere denke und andere an mich denken.
  • Wenn ich Worte der Bibel nachlese und auf mich wirken lasse.
  • Wenn ich Gottesdienst zusammen mit anderen erlebe –  so wie jetzt. So auch notgedrungen über die Medien, wenn nichts anderes möglich ist.

Und wenn mich in den vergangenen Wochen etwas überzeugt hat vom Glauben an den Gott, der Mensch geworden ist, dann ist es die vielfältige Mitmenschlichkeit, die untereinander erfahren worden ist  –  über so viele Grenzen hinweg.
Für diese Mitmenschlichkeit in den Höhen und Tiefen des Lebens ist Jesus DAS Vorbild. Er bewirke, dass mein Herz sich nicht verwirre. Er mache es durch die Erzählungen der Bibel, durch das, was er getan hat mit Brot und Wein, durch seine liebevolle Hingabe an das Leben mit allen Konflikten, Auseinandersetzungen und Freuden.
Liebe Schwestern und Brüder, unser gesamtes Zusammenleben im Großen wie im Kleinen ist in einer schweren Krise  –  gesundheitlich, finanziell, wirtschaftlich. Menschliche Nähe, die wir brauchen, bleibt eingeschränkt. Wir bleiben aufeinander angewiesen in der Krise und nach der Krise  –  wenn es ein danach irgendwann geben wird.
Jesus hat gezeigt, was lebensnotwendige Gemeinschaft ist:

  • Teilen des Brotes –  also teilen von weltweiten Ressourcen.
  • Worte zur Unterscheidung der Geister –  also anständige Debatten um das, was in der Krise gegen die Krise zu tun ist.
  • Aushalten sinnloser Kreuzeserfahrungen –  also Niederlagen und Misserfolge im Kampf gegen das Virus anerkennen.
  • Vom Tod auferweckt werden – also hoffen, dass kein Mensch im Tod ganz verloren geht und die Menschheit auf dieser Erde bleibt.

 
Georg Schröder im ersten Gottesdienst in Corona-Zeiten am 10. Mai 2020

Gebet im Mai 2020

„Sehnsucht nach Schutz“

"Jetzt im Monat Mai schauen wir auf Maria. Viele Menschen verbinden mit ihr vor allem das Bild der Schutzmantelmadonna. Und so haben wir an dieser Stelle einige Texte und Gebete eingestellt für ein Gebet dass das Thema der Schutzmantelmadonna aufgreift:


Vorbereitung: Ausdruck  des Bildes von Claudia Nietsch-Ochs (unten zum Download) - wenn vorhanden eine  Kerze, vielleicht ein paar Blumen …Musikeinspielungen nach den jeweiligen Möglichkeiten, Papierstreifen, Stifte


Musik / Lied zur Einstimmung

Eröffnung mit dem Kreuzzeichen

Gedanken zur Einstimmung:

Schutzmasken werden zum Symbol dieser Zeit. Ungewohnt, teils belächelt, und doch der Vorschrift unterworfen, tragen wir sie jetzt im öffentlichen Raum.  Wir hoffen, dass wir so geschützt werden vor dem Corona-Virus und vor allem auch andere schützen. Miteinander spüren wir durch diese Pandemie, wie schutzbedürftig unser Leben ist. Wir spüren, wie sehr die Sehnsucht nach  Schutzräumen  wächst in den Familien, in der Gesellschaft … in  Politik und Wirtschaft. Als Christinnen und Christen suchen wir in all den Unsicherheiten dieser Zeit auch Halt im Glauben. Bietet er uns einen Schutzraum in den all den Fragen von heute? Vielleicht bietet sich  trotz allem eine Chance in dieser Krise, darüber miteinander ins Gespräch zu kommen und Austauschformen zu finden. Wo empfinden wir unseren Glauben an diesen Jesus Christus stärkend, stützend und schützend?

Jetzt im Monat Mai schauen wir auf Maria. Viele Menschen verbinden mit ihr vor allem das Bild der Schutzmantelmadonna. Uralte Rechtsbräuche kannten die Mantelflucht,  bei der ein Übeltäter das Recht auf Begnadigung hatte, wenn er sich unter den Mantel einer hochstehenden Frau flüchten konnte. Und sie kannten die Mantelkindschaft, bei der eine Adoption oder die Legitimation unehelicher Kinder durch Ummantelung vollzogen wurde. Beides waren Akte der Barmherzigkeit.

Alte Gebete wie „Unter deinen Schutz und Schirm, fliehen wir, heilige Gottesgebärerin…“ und alte Lieder wie „Maria, breit den Mantel aus..“ , das um 1650 entstanden ist, zeugen davon, wie sich bei Maria das Schutzmantelmotiv durch die Jahrhunderte der Frömmigkeitsgeschichte gehalten hat. Auch wenn wir zu diesen alten Worten  nicht unbedingt alle einen Zugang finden, so ist uns doch die Sehnsucht nach Schutz gemeinsam. Schauen wir auf das Leben dieser Frau aus Nazareth und versuchen wir in  ihrer Haltung auch für uns Hoffnung, Kraft und Ermutigung zu finden.

Gebet

Aus dem Vielerlei unsres Lebens treten wir vor dich, Gott.

Sammle uns aus unserem Suchen und Fragen in dieser Zeit,

dass wir jetzt gegenwärtig sind im Hier und Jetzt,

mit allem, was uns ausmacht und mit unseren Erfahrungen von gestern und von heute.

Öffne unser Herz und unseren Geist

dass wir dein Wort hören und es bedenken.

Lass uns das Leben Mariens zur Hoffnungsbotschaft  werden,

die uns stärkt und nicht aufgeben lässt.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 

Schriftwort

Ein Wort, das auf unsere Sehnsucht nach Schutz eine  besondere Antwort gibt, finden wir im Matthäus-Evangelium:

Jesus spricht es auch uns zu:

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Mt 11, 28-30

Meditation:

Dieses gerade gehörte Wort haben Menschen vieler Generationen auch auf Maria übertragen und haben unter ihren Schutzmantel ihre Lebensprobleme gelegt und sie um Fürsprache gebeten.

Herzliche Einladung jetzt auf das Bild der modernen Schutzmantelmadonna von Claudia Nietsch-Ochs zu schauen. Es ist einem Zyklus von Frauenbildern des Passauer Frauentuchs entnommen.

Bildbetrachtung

Aus dem Labyrinth des Lebens tritt uns die „Himmelskönigin“ entgegen. Mit den pfingstlichen Flammen um ihren Kopf ist sie die Patronin der Kirche. Die zwölf Tore des neuen Jerusalems stellen sie in die Tradition des jüdischen Glaubens und in die Tradition der Verheißungen einer neuen Erde und eines neuen Himmels.

Als „Schutzmantel-Madonna“ bleibt sie den Menschen Begleiterin und Mitschwester im Glauben. Der Mantel ist weit geöffnet. So wie sie selbst in der Gegenwart Gottes beheimatet ist, bietet sie Heimat an. Vier Frauen stehen für die vielen, die immer wieder die Liebe und  die Zuwendung Gottes und der Menschen suchen und ersehnen.

Die Afrikanerin mit dem Malpinsel stellt sich im Existenzkampf ihres Kontinents in den Schatten der Gnade Gottes, dass die Schätze und die Schönheit der Kulturen nicht durch Gewalt und Hunger verloren gehen.

Die Südamerikanerin trägt eine Schüssel mit Brot und auf ihrer Schulter sitzt ein Paradiesvogel. Nur wenn mit den Schätzen der Erde sorgsam und gerecht umgegangen wird, werden alle bekommen, was sie zum Leben brauchen. Sie stellt sich mit ihrer Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in die stärkende Nähe Gottes.

Die Europäerin hat einen Plan und ein Schneckenhaus dabei. Frauen forschen, planen und entwickeln, bringen ihre Fähigkeiten in das Weltenhaus ein und erkennen, dass es bergende Rückzugsorte und  langsame Zeiten braucht in dieser bedrängenden Welt.

Die älteste der vier Frauen, die mit dem Bild auf ihrem Herzen ihren Mann, ihren Sohn oder ihre Tochter sucht, steht geborgen in dem tröstenden Mantel für alle Frauen, die Opfer von Kriegen und Diktatur geworden sind. Die Rose in ihrer Hand ist gleichzeitig Zeichen für die übergroße Kraft der Liebe.

Aktion:

Wir können das Bild weitergestalten heute und jetzt:

Herzliche Einladung an Menschen zu denken, denen wir angesichts der Corona-Pandemie in besonderer Weise Schutz und Hoffnung wünschen… die uns am Herzen liegen, aber auch unsere eigenen Sorgen und Befürchtungen … Nehmen wir uns Zeit dafür! Wenn wir mögen, können wir sie auf Papierstreifen notieren und zum Bild legen -  gewissermaßen unter den Schutzmantel, um so auszudrücken, dass Maria auch uns die Botschaft  weiterschenkt, dass wir im Schutzmantel der Liebe Gottes aufgehoben sind auch heute!

Währenddessen leise Musik

Fürbitten

Lebendiger Gott, du hast Maria ausgewählt, um in der Welt Wohnung zu nehmen. Mit Maria stehen wir als Glaubende und Hoffende vor dir und bitten dich um deine Kraft und Liebe:

  1. Stärke alle Menschen, die sich mit Fürsorge um die Kleinen und Schwachen der Gesellschaft kümmern.  - Berge sie im Mantel deiner Liebe.
  2. Stärke alle Menschen, die die Bewahrung der Schöpfung anmahnen. – Berge sie im Mantel deiner Liebe.
  3. Stärke alle Menschen, die Schutzräume schaffen für Menschen, die zu Opfern der Gewalt und des Krieges geworden sind. – Berge sie im Mantel deiner Liebe.
  4. Stärke alle Menschen, die jetzt in den Zeiten der Pandemie Netze der Unterstützung und Solidarität knüpfen. – Berge sie im Mantel deiner Liebe.
  5. Stärke alle Menschen, die jetzt Verantwortung tragen in Kirche, Politik und Gesellschaft und denen es nicht leicht fällt Entscheidungen zu treffen. – Berge sie im Mantel deiner Liebe.

Alle Gedanken und Bitten können einmünden in das Vater Unser – Gebet und in das Ave Maria

Gebet zum Ausklang:

Wenden wir uns an Maria und bitten sie um ihre Fürsprache:

Du Maria

Du überlegende Frau in  deiner  wichtigsten Lebens-Entscheidung  -  sei bei uns

Du mutige Frau in den Zumutungen Gottes – sie bei uns

Du hoffende Frau im Dunkel des Leidens – sie bei uns

Du gelassene Frau in Bedrängnis und Flucht  - sei bei uns

Du glaubende Frau, dass Gott sein Wort hält – sei bei uns

Du aufmerksame Frau im Blick auf die anderen – sei bei uns

Du erfinderische Frau, wo Hilfe gefordert ist – sei bei uns

Du vermittelnde Frau, die für den Wein der Freude sorgt – sei bei uns.

Du mitgehende Frau auf dem Weg deines Sohnes – sei bei uns

Du ausharrende Frau in Schmerz und Trauer – sei bei uns.

Du staunende Frau über die Auferstehung deines Sohnes – sei bei uns

Do offene Frau für das Wirken des Heiligen Geistes  - sei bei uns

Du jubelnde Frau trotz aller Bedrängnis – sei bei uns

Du gotterfüllte Frau in der Gemeinschaft  der Christen  - sei bei uns.

 

Segen

Wer möchte, kann an dieser Stelle gern noch das alte Mariengebet sprechen: „Unter deinen Schutz und Schirm …“

Auf die Fürsprache Marias begleite uns Gott in all unseren Lebenssituationen. Er stehe uns bei in unseren Nöten und Fragen und er schenke uns viel  Kraft und die Hoffnung, die wir brauchen, um den Herausforderungen der Zeit zu begegnen. Im Namen des Vaters …

Schlusslied / Musik

B. Klens

Den Text dieses Gebetes im Mai hönnen Sie hier herunterladen: Gebet im Mai 2020 "Sehnsucht nach Schutz"


Bild Schutzmantelmadonna

Abschied nehmen zu Corona-Zeiten

Gebet für Verwandte, Familie und Freunde, die bei einer Trauerfeier nicht dabei sein können...

Sie haben eine lieben Menschen verloren und dürfen oder können bei der Beerdigung nicht dabei sein?
Liebe Trauernde als Angehörige, Familien und Freunde, zunächst sprechen wir Ihnen unser Beileid aus. Bei der Verabschiedung und Beerdigung eines lieben Menschen auf dem Friedhof, darf in Zeiten der Coronakrise nur eine sehr begrenzte Personenzahl teilnehmen.
Mit der angefügten Gebetsvorlage laden wir Sie, die an der Beisetzung nicht teilnehmen dürfen, ein: Alleine oder im Kreis der Familie / Wohngemeinschaft zeitgleich oder zu einem späteren Zeitpunkt Zuhause zu beten. 

Das Gebet kann für Sie als Trauernde eine Verbindung des Miteinanders schaffen und in dieser besonderen Zeit eine Möglichkeit sein, sich von dem/ der Verstorbenen zu verabschieden.


Bitte laden Sie niemanden ein, der nicht in Ihrem Haushalt lebt!


Drucken Sie diese [Anleitung] aus und folgen ihr...

Kinder beten in der Krise

Wie Kinder in dieser besonderen Zeit beten können. Anregungen finden sich hier:

https://www.katholisch.de/artikel/24987-wie-kinder-sich-durch-die-corona-krise-beten-koennen


Ein Gebet in der Zeit der Corona-Pandemie

von Bischof Stefan Ackermann, Trier

Jesus, unser Gott und Heiland, in einer Zeit der Belastung und der Unsicherheit für die ganze Welt kommen wir zu Dir und bitten Dich:

  • für die Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert wurden und erkrankt sind;
  • für diejenigen, die verunsichert sind und Angst haben;
  • für alle, die im Gesundheitswesen tätig sind und sich mit großem Einsatz um die Kranken kümmern;
  • für die politisch Verantwortlichen in unserem Land und international, die Tag um Tag schwierige Entscheidungen für das Gemeinwohl treffen müssen;
  • für diejenigen, die Verantwortung für Handel und Wirtschaft tragen;
  • für diejenigen, die um ihre berufliche und wirtschaftliche Existenz bangen;
  • für die Menschen, die Angst haben, nun vergessen zu werden;
  • für uns alle, die wir mit einer solchen Situation noch nie konfrontiert waren.

Herr, steh uns bei mit Deiner Macht, hilf uns, dass Verstand und Herz sich nicht voneinander trennen. Stärke unter uns den Geist des gegenseitigen Respekts, der Solidarität und der Sorge füreinander.Hilf, dass wir uns innerlich nicht voneinander entfernen.

Stärke in allen die Fantasie, um Wege zu finden, wie wir miteinander in Kontakt bleiben.

Wenn auch unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind, um uns in der konkreten Begegnung als betende Gemeinschaft zu erfahren, so stärke in uns die Gewissheit, dass wir im Gebet durch Dich miteinander verbunden sind.

Wir stehen in der Fastenzeit. In diesem Jahr werden uns Verzichte auferlegt, die wir uns nicht freiwillig vorgenommen haben und die unsere Lebensgewohnheiten schmerzlich unterbrechen.

Gott, unser Herr, wir bitten Dich: Gib, dass auch diese Fastenzeit uns die Gnade schenkt, unseren Glauben zu vertiefen und unser christliches Zeugnis zu erneuern, indem wir die Widrigkeiten und Herausforderungen, die uns begegnen, annehmen und uns mit allen Menschen verstehen als Kinder unseres gemeinsamen Vaters im Himmel.

Sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.

(Es können ein „Vater unser“ und ein „Gegrüßet seist du, Maria angefügt“ werden.)

Gebet von Bischof Dr. Stephan Ackermann

Bistum Trier, 14.03.2020

Gebetstext

Lesungen für die Zeit der Corona Krise

Links zum Bibelwerk

Dreizehn Kinder malen vierzehn Kreuzweg-Stationen

Kinderkreuzweg der Misereor Fastenaktion

„Wie schwer ist das Kreuz, das Jesus tragen musste?“ fragte einer der Jungen. Diakon Matthias forderte ihn auf, sich unter einen Tisch zu knien und aufzustehen. Der Junge hob den Tisch mit dem Rücken an, trug das schwere Gewicht.Nach kurzer Zeit hatte er genug, legte sich erschöpft auf den Bauch, spürte mit ausgestreckten Armen der Last nach. Plötzlich erhob er sich, ging befreit zu seinem Arbeitsplatz und malte das, was er sich nicht hatte vorstellen können: das Kreuz von Golgatha. Ein Mädchen hatte den Auftrag, die Kreuzigung Jesu zu gestalten. An einem schrägen Kreuz malte sie ihn, umrahmt von übergroßen schwarzen Nägeln. Auf ihrer Leinwand lag ein alter handgeschmiedeter Nagel, den sie als Vorlage hatte. Ich riet ihr, den Nagel durch das gemalte Fleisch des Gekreuzigten zu drücken. Väter halfen, den Nagel zu befestigen. Schweigend sahen alle auf das erschütternde Ergebnis, hörten den stummen Schrei im Schmerz. Leise sagte das Mädchen: „Wie weh das tun muss!“ Zwei Jungen – Zwillinge im Alter von acht Jahren – wetteiferten brüderlich miteinander um Bildideen und deren Ausführungen. Zwei syrische Schwestern kümmerten sich liebevoll umeinander. Immer, wenn eine nicht weiter wusste, sprachen sie sich Mut zu. Mütter und Väter haben liebevoll den Prozess im Ringen um die Darstellung von Schmerzen des Gottessohnes begleitet, sei es in der Vorbereitung des Workshops, bei etlichen Glaubensfragen, oder zum Schluss, als alle die Ergebnisse würdigten. Sie waren und sind eine kleine aktive Gemeinde, die gemeinschaftlich ihren Weg gefunden hat. Für mich war es beglückend, Kinder und Eltern zu erleben, die es kaum fassen konnten, was für ergreifende Bilder entstanden waren. Wunderbar die Kommentare einiger Mütter: „Das nächste Mal malen wir mit!“


Uwe Appold

Das Heft zum Kinderkreuzweg