Schmallenberg vor dem Wilzenberg
Kapitell Wormbach

Gedanken zu den Evangelien

hier finden Sie die Predigtgedanken zu den Evangelien...

zum Nachlesen und, wenn Sie möchten, teilweise auch zum Nachhören!

Gedanken zum Evangelium am 29. Sonntag im Jahreskreis

„So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ (Mt 22, 21)

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor einigen Wochen veröffentlichte das Erzbistum Paderborn Zahlen über sein Finanzvolumen in den verschiedensten Bereichen. In der Presse wurden die Informationen vom jetzt reichsten Bistum Deutschlands kommentiert. Doch die große Aufregung blieb aus. Die Bistumsleitung wird froh darüber gewesen sein, dass die Bemühungen um Transparenz und Offenheit nicht für kritische Reaktionen größeren Ausmaßes gesorgt haben, vielleicht noch bei denen, die der reichen Kirche ohnehin schon den Rücken gekehrt haben. Auch in unserem Pastoralteam boten die Zahlen natürlich Gesprächsstoff. Das Augenmerk richtete sich auf die Generalvikare, die all die Jahre gut gewirtschaftet und somit uns u.a. einen sicheren Arbeitsplatz geschaffen haben – auch in Corona-Zeiten. Auf der anderen Seite ist aber auch der Auftrag der Kirche zu sehen, für die Menschen da zu sein und zuallererst für die, die durch Armut und Hunger am Rande stehen. Ich bin nach dieser Sitzung sehr nachdenklich nach Hause gefahren.

In dieser Situation beinhaltet das heutige Evangelium sicher mehr als eine Handlungsoption in Geldfragen: Jesus ist einer Fangfrage der Pharisäer und der römischen Soldaten ausgesetzt: Ist es erlaubt dem Kaiser Steuern zu zahlen? Wenn er die Frage bejaht, verliert er den Rückhalt in seinem eigenen Volk, dem die römische Besatzungsmacht ein Dorn in Auge ist. Verneint er die Frage, gilt er bei den Römern als politischer Widersacher – eine gefährliche Brisanz! Das Dilemma löst Jesus geschickt und antwortet mit dem Satz: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört (Mt 22, 21). Er entlarvt die Frage als Heuchelei. Doch der Auftrag bleibt: Gebt! Wir leben in dieser Welt, in der auch unser Gott Mensch geworden ist. Diese Welt lebt auch dadurch, dass Menschen Abgaben und Steuern entrichten, um Strukturen für die Allgemeinheit zu finanzieren. Dem können wir uns als Christen/innen nicht entziehen. Gebt! Aber was geben wir diesem unseren Gott, nach dessen Bild wir geschaffen sind? … unsere Offenheit, uns immer wieder auf ihn einzulassen, auch unter den Bedingungen der jetzigen Zeit …. Unsere Wachsamkeit, in schwierigen Lebenssituationen, zu versuchen seine Stimme herauszuhören, um dann die Entscheidung zu fällen …. Unsere Solidarität mit den Schwachen und Verlierern dieser Gesellschaft, deren Zahl in den nächsten Monaten sicher steigen wird. Gebt – in den alltäglichen Herausforderungen, an den Knotenpunkten des Lebens, als Einzelne, Gruppen, Gremien und als Kirche.

Übrigens der Kirchensteuerrat unseres Erzbistums hat vor kurzem 1,5 Millionen Euro zusätzlich bewilligt, um die Gemeinden zu unterstützen in ihren Bemühungen, die Botschaft von der Menschwerdung unseres Gottes auch unter Corona-Bedingungen den Menschen nahezubringen. Auch unser Pastoralverbund hat schon einen Antrag gestellt. Gebt!

Viele kreative Ideen, diesem, unseren Gott zu „geben“, wünscht Ihnen

Ihre Bernadette Klens

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken zum 29. Sonntag im Jahreskreis (MP3; 4 MB)

Gedanken zum Evangelium am 30. Sonntag im Jahreskreis

Gedanken zum Evangelium am 27. Sonntag im Jahreskreis

Das Lied vom Weinberg (Jes 5, 1–7)

Wieder ist ein Erntejahr zu Ende. Wir feiern es in Dankbarkeit für den Ertrag, den unsere Landwirtschaft - trotz Trockenheit - und unsere Nahrungsmittelindustrie  - trotz der Corona-Pandemie - erbracht haben. Wie ein Paukenschlag stört die alttestamentliche Lesung unsere sichere Grundstimmung beim Erntedank in Deutschland.

Das Bild vom Weinberg scheint zunächst das Thema des Erntedankes aufzunehmen. Da heißt es: „Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten, vom Aufbau und Pflege dieses Weinbergs“. Aber es bleiben die Früchte aus. Es kippt die liebevolle Stimmung. Von Zerstörung und Vernichtung des Weinbergs ist die Rede. Von Rechtsbruch und Rechtlosigkeit. Hören wir eine Komposition, eine Übertragung in unsere deutsche Sprache:

1 Hört mir zu! Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg: Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land,

2 dort hackt ich den Boden mit eigener Hand, ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf, baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf. Und süße Trauben erhofft` ich zu Recht, doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht.

3 Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda, was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da?

4 Die Trauben sind sauer – entscheidet doch ihr: War die Pflege zu schlecht? Liegt die Schuld denn bei mir?

5 Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt: Weg reiß ich die He-cke, als Schutz einst gesetzt; zum Weiden soll´n Schafe und Rinder hinein! Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein! Zertrampelnden Füßen geb´ ich ihn preis, schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß!

6 Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen! Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!

7 Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten! Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr!

Er hoffte auf Rechtsspruch –  und erntete Rechtsbruch, statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie! Es ist wahrscheinlich, dass der Prophet Jesaja die Gelegenheit eines der großen Feste genutzt hat, um Aufmerksamkeit für seine Botschaft zu gewinnen. Tief emotional verwickelt er die Zuhörer aus Israel und Juda unbemerkt in die Melodie des »Sängers«: „Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg“... Da kann man gut folgen. Da kommt Mitgefühl auf, wenn der Freund sich bitter über die Vergeblichkeit all seiner gut gemeinten Bemühungen beklagt.

Dann schlägt die Stimmung um: Erschrocken stellen die Gäste fest, dass sie selbst gemeint sind. Das trifft: Das Lied der Liebe zum Weinberg- verfremdet zu harter Anklage gegen den Weinberg. Wir können davon ausgehen, dass Jesaja wusste, was er tat, als er sich mitten unter die fröhlich Feiernden wagte. Als Prophet am Jerusalemer Hof war er welterfahren genug, mit massivem Widerstand zu rechnen wegen seiner Worte.

Wer Unrecht so ungeschminkt beim Namen nennt, gewinnt nicht gerade Sympathie! Jesaja macht sich furchtlos zum Fürsprecher der politisch und sozial Vergewaltigten, prangert u.a. Bodenspekulation und Verschwendung von Staatsgeldern an und stellt gar die Zukunft des »Volkes Gottes« selbst infrage.

Jesaja hat das Anliegen Gottes ganz zu seinem eigenen ge-macht hat. Ohne Häme, Besserwisserei oder Selbstgerechtig-keit führt der Prophet seine Hörerinnen und Hörer zur Einsicht: Sie mögen sich die Konsequenzen selbst ausmalen. Da gibt es kein Ausweichen  -  die Zerstörung haben sie selbst verursacht. Jesaja macht seinen Landsleuten klar: Mein Lied ist das Lied von Gott und seinem Volk, von Gott und von uns Menschen. Vierzig Jahre hatte Gott nach den Worten der heiligen Schrift Israel durch alle Gefahren der Wüste geleitet, um seinen Leuten am Ende ein »schönes Land« zu geben. So beweist er seine grenzenlose Zuneigung zu seiner »Lieblingspflanzung« Israel.

Israels Besonderheit unter den Völkern, oft missverstanden als »besser als«, »stärker als« ..., Israels Besonderheit gründete allein in der Liebe und Fürsorge Gottes, also in dem Be-wusstsein diesen Einen Gott anzubeten  -  und sonst niemand anderes oder etwas anderes. Israel sollte ein Vorbild für alle Völker sein, wenn es um eine menschenwürdige Gottesbeziehung geht. Dass diese außerordentliche Beziehung misslungen sei, ist der Grund für die tiefe Enttäuschung, die Jesaja im Namen des Gottes im Weinberglied besingt. Das Weinberglied Jesajas könnte auch uns gelten, uns, die wir uns als Getaufte auch dem Einen Gott zugehörig wissen. Was würde er uns mitteilen?

Schau an, was lächerlich ist in deinem Leben, was ohne Frucht ist, was dich runterzieht, was dich kaputt macht. Schau hinter deine Fassade: Wer oder was steckt dahinter? Du selber oder wer sonst? Schaut hin, was ihr seit 2000 Jahren aus der Botschaft Jesu, meines immer noch sehr aktuellen Botschafters, gemacht habt. Ihr streitet euch über die Aufgaben von Männern und Frauen in eurer Gemeinschaft und vernachlässigt damit das Heilige Zeichen, das Sakrament, das ich Euch hinterlassen habe. Ist euch in meinen Kirchen und Gemeinschaften das geteilte Brot Jesu nicht wichtiger als die Frage, ob ein eheloser Mann oder eine Frau dieses Brot im Namen Jesu deuten, hinhalten und teilen darf?

Schaut hin auf die heiligen Zeichen. Braucht ihr die Sakramente nicht mehr, weil sie euch nichts mehr sagen? Warum sagen sie euch nichts mehr? Meint ihr, ihr könntet den Glauben an mich leben ohne die Gemeinschaft, die ich durch heilige Zeichen bewirke?

Warum ist euch das Heilige abhanden gekommen, auch das Heilige, das jeder einzelne Mensch darstellt. Jeder Mensch ist unendlich wertvoll. Seht ihr diesen Wert nicht mehr  -  wenn ich daran denke, wie ihr miteinander konkurriert, euch gegenseitig das Wasser abgrabt und dem anderen nicht das gönnt, was ihr euch selber gönnt. Ihr zerstört gerade den globalen Weinberg, die Grundlagen für artenreiches Leben auf dieser Erde.

Im Lied hieß es vom Weinbergbauer: Und süße Trauben erhofft´ ich zu Recht, doch was dann im Herbst wuchs, war sauer und schlecht.

Wie sind wir? Wie bin ich? Bin ich, um im Bild der Trauben zu bleiben, süß oder sauer? Gott suchend oder Gott vergessend? Aufbauend oder zerstörend? Ansprechend oder stumm? Bewegend oder fesselnd? Menschlich oder teuflisch? Redend oder schreiend? Frei für die Welt oder besetzt von mir selbst? Für das universale Menschenrecht oder für globalen Rechtsbruch?

Diese eine Erde ist voller süßer Früchte für alle. Was machen wir 7,8 Milliarden Menschen mit ihr, mit Pflanzen und Tieren und mit uns? Hoffen wir auf süße Trauben!

Ihr Georg Schröder

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken zum 27. Sonntag im Jahreskreis (MP3; 3,9 MB)

(Quellen: Prediger und Katechet - Veronika Kubina 2011, TeDeum 2011)

Gedanken zum Evangelium am 28. Sonntag im Jahreskreis

"Geht an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!" (Matth. 22,1-14)

Da lädt also ein König zu einer Hochzeit seines Sohnes ein, und schickt seine Diener dafür übers Land. Heute wäre das vielleicht ein Medien-Spektakel ohne Gleichen: Hochzeit bei Hofe! Wer dazu eingeladen ist, der darf sich immerhin zu den sogenannten obersten Zehntausend des Landes, zu den Angesehenen zählen. „Da kannst Du mal sehen, ICH habe eine Einladung bekommen!“

Nein zu dieser Einladung zu sagen, das wäre eine Dummheit und geht eigentlich gar nicht. Aber: Es kommt ganz anders als erwartet! Die Eingeladenen halten es nicht für nötig,  der Einladung zu folgen. Sie haben Besseres vor, als auf dieses Fest zu kommen; sie gehen weiter ihren alltäglichen Geschäften nach und kümmern sich nicht drum  -  nur nicht stören lassen  - weiter machen - weiter und weiter, so wie bisher, heißt die Devise. Und die Folge: Dann kommen eben andere an die Reihe; Die, die draußen stehen, die ursprünglich nicht auf der Liste standen.

So diese Begebenheit, diese von Jesus erzählte, bzw. ihm in den Mund gelegte Geschichte. Und da es sich ja um ein Gleichnis handelt, können wir es ja gleich umsetzen: Wir alle sind jeden Sonntag zum Gottesdienst eingeladen, ja – nach der Lehre unserer römisch-katholischen Kirche sogar zur Teilnahme an der sonntäglichen Messfeier verpflichtet.

Als im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie einige Bischöfe und Pfarrer betonten, dass die Sonntagspflicht deswegen aufgehoben sei, haben sich manche gefragt:  Was für eine Sonntagspflicht?! – Nun war es um die Befolgung der Sonntagspflicht auch schon lange vor dem Ausbruch der Pandemie nicht so sonderlich gut bestellt, um es vorsichtig auszudrücken. Und nun?!

Statt der Einladung zur sonntäglichen Messfeier zu folgen, macht der eine lieber das und die andere lieber jenes: Ausschlafen – Waldlauf – Brunchen – keine Lust – Null Bock – Alles eh Käse von gestern – Pastor kritisiert zu viel – Pastor kritisiert zu wenig – Pastor zu langweilig – Pastor zu modern – Pastor nicht modern genug – Kirche zu altmodisch und konservativ … Die sollten mal…, dann würde ich auch wieder… Kirche zu bunt – Kirche nicht bunt genug … Priester ohne Zölibat besser – Priester mit Zölibat besser – Frauen sollten Priester werden dürfen – Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage Papst soll mehr Linie zeigen – Papst zeigt nicht genug Linie …. Und so weiter und so weiter …

Diskussionen in den öffentlichen Medien, an den Theken und Tischen, in den Familien. Wobei das mit den Diskussionen auch immer weniger wird, weil es kaum noch jemanden wirklich interessiert. Die alte Kiste: viele sind eingeladen – aber nur wenige kommen. Traurig – aber wahr! – Was soll man da machen?!

So oder ähnlich wurde bzw. wird gerne mit diesem Gleichnis von den Eingeladenen, die nicht erscheinen, umgegangen. – Doch, ist das auch so gemeint? Wem erzählt Jesus dieses Gleichnis, bzw. in welchem Zusammenhang wird dieses Gleichnis vom Evangelisten Jesus in den Mund gelegt? Jesus erzählt das Gleichnis immerhin denen, die an der Spitze der Religion seiner Zeit stehen: „In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis“, so heißt es zu Beginn des Evangeliums.

Er erzählt das Gleichnis also nicht den Außenstehenden, denen die von der damaligen Glaubensgemeinschaft nicht viel halten oder ihr gegenüber sogar kritisch oder ablehnend eingestellt sind, sondern genau denen, die sich für rechtgläubig, für richtig im Glauben Lebende und Handelnde halten und andere ausschließen vom gemeinsamen Mahl. Man hielt sich für die Auserwählten, für wahrhaft Eingeladene, für die, die einen Platz beim Hochzeitsmahl sicher haben.

Und dann kommt dieser Jesus daher und erzählten Ihnen – den Dauerkarten-Besitzern, den rechtschaffenen VIP-Karten-Inhabern, dieses Gleichnis. – Den vermeintlich Wissenden und Rechtgläubigen ist das Auftreten dieses Jesus ein Dorn im Auge. Eine Frechheit, eine Unverschämtheit! Sie wollen ihre gewohnte Ordnung, der Laden muss laufen. Sie haben ihr Traditionen und gewohnten Lebensweisen,ihre tradierten Methoden, Überzeugungen und Gesetze, da brauchen sie keine Einladung von diesem Jesus.

Das war damals, vor  2000 Jahren – zu Lebzeiten Jesu – und entsprechende Konflikte zeichneten sich schon in den ersten jungen Christengemeinden ab. Und heute?!

Wie steht es heute um die, die sich für die Besonderen halten, die meinen zu wissen und bestimmen zu können,was Unverrückbar zu sein hat in unserem Leben und Glauben  als Christen, als Nachfolgerinnen und Nachfolger dieses Jesus von Nazareth?

Wie steht es heute um die Einladung an die, die draußen sitzen bzw. nach draußen gesetzt werden? Wiederverheiratet Geschiedene, in einer kirchlich nicht anerkannten Partnerschaft Lebende, Anders – und Querdenkende? Es geht hier um die Zusage, auch von Jesus Eingeladene und von ihm Angesehen zu sein und sein zu dürfen!

Es geht nicht um ewige Querulanten, egal ob von sogenannter progressiver oder konservativer Seite, nicht um Nörgelköppe, die immer was Neues zum Meckern suchen, sondern um die, die auch eine Einladung erhalten haben weil sie auch im Besitz des Geistes Gottes sind und die redlich suchend und fragend unterwegs sind.

Die Mahnung Jesu an die Machthabenden und Religionsführer, aber auch an jeden von uns lautet meiner Meinung nach: Haltet euch nicht für die Besseren, die es nicht mehr für nötig halten, der ausgesprochenen Einladung zur Teilnahme am Hochzeitsmahl zu folgen, sonst sind es nämlich auf einmal die da draußen, die ihr aus eurer Gemeinschaft ausgeschlossen oder an den Rand gestellt habt, die das Mahl mit dem richtigen Hochzeitsgewand an feiern.

Der Abschluss des Gleichnisses, mit dem Rauswurf derer, die nicht das richtige Gewand anhaben, wirkt da sehr schroff und scheint nicht so wirklich zur offenen Einladung zu passen. Wieso wird man jetzt auch noch für die falsche Kleidung bestraft? Da kommt es doch nun wirklich nicht drauf an, war immer meine Frage an dieser Stelle!  Doch es geht wohl nicht um die äußere Kleidung, sondern um den Mantel, mit dem ich mich umgebe: Da wird nochmal sehr krass zum Ausdruck gebracht, dass es auch falsche Deckmäntelchen und Heuchel-Umhänge gibt, die vom Herrn des Mahles entlarvt werden.

Wie sagt Paulus dazu mahnend im Brief an die Kolosser: Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!  Das wäre ja mal eine passende Bekleidung – anstatt … Oder?

Mit welchem Gewand bekleide ich mich, bekleidest Du Dich, bekleiden wir uns als die Eingeladenen als Einzelne, als Gemeinschaft, als Kirche?

Ihr Ignatius Möncks

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken zum 28. Sonntag im Jahreskreis (MP3; 3,9 MB)


Gedanken zum Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis

"So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte" (Mt 20, 1–16)

Liebe Schwestern und Brüder,


auf wessen Seite stehen sie, ganz spontan, in diesem Gleichnis? Auf der desGutbesitzers oder auf der des Arbeiters? Hatte letzterer nicht einen guten Grund sich zu ärgern? 12 Stunden harte Arbeit, andere gerade mal eine. Und sie beide bekommen den gleichen Lohn. Schauen wir ein wenig auf die Details. Die Arbeiter, die zur elften Stunde angefangen haben, waren nicht erst zu der Zeit auf dem Marktplatz aufgetaucht. Sie haben 11 Stunden herumgestanden in der Hoffnung, dass doch noch einer vorbeikommt und Arbeit für sie hat. Das sollte man schon einmal honorieren. Sie waren nicht arbeitsscheu oder faul. Sie waren bereit.
Aber sie hatten ja auch Familien zu versorgen. Das wusste der Gutsherr natürlich auch. Ein Denar – das war der Betrag den man brauchte, um eine Familie einen Tag zu ernähren und damit der übliche Tarif für den Tagelöhner. Der Gutsbesitzer sorgte dafür, dass alle das Lebensnotwendige bekamen. Aber zurück zur Ausgangsfrage: Hätten die ersten nicht mehr oder die letzten wenigen bekommen müssen? Ist es nicht ungerecht, wenn alle das gleiche kriegen? Nein, ist es nicht. Warum?
Schon mal was von Kurzarbeitergeld gehört? Klar, war coronabedingt ja immer wieder Thema. Und dabei geschieht – wenn auch bürokratisch komplizierter – genau das, was auch im Gleichnis passiert. Der Gutsherr zahlt denen, die arbeitswillig waren, aber keine Arbeit bis kurz vor Feierabend hatten, das Kurzarbeitergeld eben gleich mit dem Lohn aus.
Und diejenigen, die in der Krise die ganze Zeit durchgearbeitet haben? Bekommen die deshalb mehr? Naja, es gab einen Bonus für die in systemrelevanten Berufen. Aber wenn deren übliches Monatsgehalt nicht sodeutlich niedriger wäre, wie z.B. für Beschäftigte in der Autoindustrie, wäre wohl auch niemand auf die Idee zu diesem einmaligen Zuschlag gekommen.

So gesehen ist die göttliche Gerechtigkeit aus dem Gleichnis nach 2000 Jahren offenbar doch ein bisschen in unser Gerechtigkeitsempfinden eingesickert. Nichtsdestotrotz wird Gottes Gerechtigkeit für uns immer ein wenig rätselhaft bleiben. Der Evangelist erzählt uns zwar nicht, wie die Menschen um Jesus auf dieses Gleichnis reagiert haben, aber es muss schon ungewöhnlich auf sie gewirkt haben, sonst hätte es Matthäus wohl nicht in sein Evangelium aufgenommen. Schonweiter vorn am Anfang der Bergpredigt, sagt Jesus: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Pharisäer und Schriftgelehrten, könnt ihr nicht in das Himmelreich gelangen“


Möge uns daher Gottes Geist immer wieder mitteilen, wo wir auch heute weitaus gerechter sein können und sollen, als die Gerechtigkeit dieser Welt. Und lassen wir uns – so wie der Gutsherr - nicht beeinflussen von denen, die neidisch sind, wo wir anderen Gutes tun.

Ihr Ullrich Birkner, Pastor

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken zum 25. Sonntag im Jahreskreis (MP3; 3MB

Gedanken zum Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis

Wer von den beiden hat den Willen des Vaters erfüllt? (Mt 21, 31 )

Liebe Schwestern und Brüder, … und noch ein Gleichnis an diesem Sonntag. Mehr als knapp wird eine Alltagsszene  skizziert. Ein Vater als Besitzer eines Weinbergs, sein Auftrag an seine beiden Söhne dort zu arbeiten, ihre unterschiedlichen Reaktionen: der erste weigert sich zunächst, erfüllt aber dann doch den Auftrag, der zweite sagt zu, und folgt der Bitte aber schließlich doch nicht. Jesus selbst überträgt das Geschehen auf die Lebenswirklichkeit. Er hat den Mut, die damaligen Hüter der Religion, die Ältesten und Hohepriester offen zu kritisieren, in dem er ihr „Ja“ zu Gott und Glauben für kein „wahrhaftiges“ hält, obwohl diese der Überzeugung sind, gerade sie würden Gott jeden Tag mit ihren vielen religiösen Praktiken besonders dienen. Die Hervorhebung der Dirnen und Zöllner, die er in der Rolle des Sohnes sieht, der von seinem ursprünglichen „Nein“ abgewichen ist und  sich doch ehrlich und aus dem  Herzen heraus dem Willen Gottes öffnet, bringt Jesus in Gefahr. So werden diese und viele andere herausfordernde  Worte schließlich der Anlass für seinen Weg zum Kreuz.

Unweigerlich übertragen wir diese Szene auf unser Verhalten und wir wissen nur zu gut, dass beides auch bei uns vorkommt. Gute Vorsätze werden nicht ausgeführt,  unser „Ja“ bleibt ohne Konsequenzen. Oder aber die Erkenntnis, dass unser „Nein“ nicht der richtige Weg ist, führt zur Umkehr und Verhaltensänderung.
Doch wir wissen auch, dass es manchmal nicht so leicht ist mit unseren Entscheidungen. Ich denke an die vielen Christen, die zur Zeit „Nein“ sagen zur Institution Kirche und ihr aus Enttäuschung den Rücken kehren. Ist ihr „Nein“ auch ein „Nein“ zu ihrem Glauben an den Gott, der uns immer wieder seine Barmherzigkeit zusagt? Ein schwieriges Thema? Ich denke an die Bischöfe, die in diesen Tagen zur Herbstversammlung in Fulda versammelt sind. Wozu sagen sie „Ja“ oder „Nein“ in den Fragen zur Entwicklung unserer Kirche und aus welcher Motivation heraus – aus Liebe, Verantwortung oder Machtdenken? Oder wir selbst in unserem ganz persönlichen Umfeld…. Am kommenden Samstag  begehen wir den Tag der Deutschen Einheit. Wir dürfen ihn feiern, weil viele Christinnen und Christen vor mehr  als 30 Jahren mutig zu ihrem Glauben „Ja“ gesagt haben und für Freiheit und Gerechtigkeit auf die Straße gegangen sind. Und heute? Wem gilt unser „Ja“ oder „Nein“, wenn wir in Gesprächen rechtem Gedankengut begegnen?
Wir spüren, wie sehr es darauf ankommt, in den vielen kleinen Lebensentscheidungen jeden Tag  und auch in den größeren Herausforderungen immer wieder die Einladung Gottes herauszuhören, sich auf seinen Auftrag einzulassen. Auch wenn wir beim Bearbeiten der Weinberge unseres Lebens Fehler machen und nicht sofort „Ja“ sagen  - wir dürfen umkehren, können Entscheidungen revidieren. Wir dürfen auf die großzügige Barmherzigkeit unseres Gottes hoffen - immer wieder!
Ihre Bernadette Klens
Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: 

 Gedanken zum 26. Sonntag im Jahreskreis (MP3; 3MB

Predigt am 23. Sonntag im Jahreskreis

„Dürrem gieße Leben ein“ aus: Pfingstsequenz

Die Corona-Pandemie treibt viele Menschen auf die Straßen, um für oder gegen die Regeln zu demonstrieren, Regeln, die dem Schutz der Menschen vor dieser Ansteckung dienen sollen. Leider entstehen dabei Situationen, die unser Zusammenleben zerstören könnten  -  z. B. wenn mit der Reichskriegsflagge, die auch noch den Schriftzug „Gott mit uns“ trägt, vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, unserem Bundestag, demonstriert und auch die Treppe des Gebäudes gestürmt wird (siehe WP am 1.9.2020).

„Gott“ wird hier gebraucht für einen Zweck, der Menschen gegeneinander aufbringt. Das kann nicht „Gottes“ sein. Unser Zusammenleben in dieser Dauer-Krise der Pandemie wird immer wieder auf die Probe gestellt mit den Fragen: Was dient nun dem Schutz der Menschen? Was beeinträchtigt das soziale Zusammenleben und wie kann gegen eine Beeinträchtigung verantwortungsvoll etwas getan werden, ohne die Gesundheit zu gefährden? Was lassen wir, was tun wir? Wenn ich verstörende Bilder sehe, wie das von rechtsradikalen Protesten, wenn ich erfahre, dass Menschen sich bekriegen und nicht mehr miteinander reden können, dann hilft mir das Gebet um GOTTES GEIST, um heiligen Geist, um erkennenden Geist in uns Menschen.

Mit diesem uralten Gebet - der sog. „Pfingstsequenz“ - komme ich zur Ruhe und kann meine Gefühle und Gedanken sortieren  -  so sortieren, dass ich Abstand gewinne von radikalen Meinungen und mutig werde, das für uns Menschen Gerechte zu tun.

„Komm herab, o Heil‘ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not, in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.“

Es ist ein sehr aktuelles Gebetsanliegen, wenn wir darum bitten, dass der Heilige Geist DÜRREM Leben eingieße, Erstarrtes löse, Beflecktes reinwasche. In der jetzigen Krisenzeit suche ich nach Worten aus der heutigen Verkündigung, die das in uns Menschen aller Couleur bewirken möchten:

Aus der Lesung Röm 13,8-10:

  • Bleibt niemand etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe.
  • Alle Gebote Gottes für das Zusammenleben der Menschen sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
  • Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.

Diese Worte sind selbstredend, so dass sie vertrockneten Beziehungen neues Leben ermöglichen. Was wirklich böse ist, spüren wir doch in unserem Gewissen - wenn es denn nicht zugemüllt worden ist mit haltlosen Vorurteilen.

Aus dem Evangelium  Mt 18,15-20:

  • Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Dürrem, also verhärteten Positionen, gegenseitigen Anschuldigen, könnte Leben eingegossen werden durch zuhören, miteinander reden und sich ggf. friedlich trennen in gegenseiger Verantwortung, dass jeder Mensch sein Leben vor Gott zu verantworten hat, vor Gott, der Leben will für alle.

Noch einmal Matthäus:

  • Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Es ist ein Geschenk zuversichtlichen Lebens, wenn Menschen gemeinsam still werden und einfach da sind im Bewusstsein ihres je eigenen Gottes - Verständnisses. Es geschieht etwas, das sie vielleicht nicht einig macht im Tun, dass sie aber weiter sehen lässt als die alten Positionen, Meinungen und Ansichten, die tot sind, weil sie keine Bewegung mit sich bringen. So entstehen Perspektiven für neues Leben über das jetzige hinaus  -  diese Perspektiven eröffnet einer, der mehr ist als alles, der wie eine Quelle frischen Wassers für vertrocknete Pflanzen und dürstende Menschen ist.

Geist Gottes, gieße Dürrem Leben ein.

Frage: Wo erlebe ich in mir und untereinander Dürre, Trockenheit, Absterben? Wo gibt es keinen Fluss mehr zwischen mir und anderen? Wann bin ich abgekapselt und kann nicht mehr zu neuem Leben aufkeimen? - - -

Hl. Geist - sei wie Wasser, das alle trinken und aufleben lässt, die nichts mehr füreinander empfinden!

Ihr Georg Schröder, Pfr.

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt zu den Texten des 23. Sonntags im Jahreskreis

Gedanken zu den Evangelien vom 24 Sonntag im Jahreskreis

„Wie oft muss man verzeihen? (Matthäus 18, 21-35)

„Das verzeihe ich dir nie!“ Ich bin mir sicher, dass dies jeder und jede von uns schon mal gedacht oder auch gesagt hat. Es gibt Momente und Gegebenheiten, da kann man sich nicht vorstellen, dass man dem anderen je vergeben kann.

Im Evangelium fragt Petrus Jesus, wie oft man denn verzeihen muss und nennt schon eine sehr hohe Zahl: Sieben Mal? Jesus geht mit dieser Zahl ins Unendliche in dem er antwortet: siebzigmal siebenmal. Menschlich unvorstellbar.

Aber Gott ist so. Er vergibt immer wieder. Unendlich oft. Das will Jesus mit dieser Zahl sagen.

Um vom Menschen oder von Gott Vergebung zu erfahren, braucht es aber auch den Mut, sich zu seinem falschen Handeln zu bekennen und um Vergebung zu bitten. Im Beispiel des zweiten Schuldners wird ihm diese zwar von seinem Mitknecht verwehrt. Trotzdem bekommt er Dank der anderen Menschen, die Gerechtigkeit wollen, Hilfe und Recht.

Es ist schon ein großes Geschenk, das Gott uns immer wieder verzeiht. Wenn ich diese großzügige Vergebung Gottes nicht ganz persönlich erfahren hätte, säße ich jetzt nicht hier und würde diesen Text schreiben. Dann wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich bestimmt nicht in diesem Beruf.

Nach einem riesen Fehler in meinem Leben und einem so schweren Schuldgefühl, dass ich nicht mehr wusste wohin, habe ich fast zwanzig Jahre nach meiner letzten Beichte zur Firmung, das erste Mal wieder gebeichtet. Es war für mich die letzte Möglichkeit wieder ins Reine zu kommen. Ich konnte das, was ich getan hatte, nicht wieder gut machen und mir selbst auch kaum vergeben. Und da die Schuld mir so schwer war, durfte ich Gottes Liebe und Vergebung umso tiefer erfahren. Diesen Moment der Lossprechung werde ich nie vergessen. Es war eine ganz intensive Gotteserfahrung, die mein Leben verändert hat.

Es hat mich auch ein ganzes Stück dahin gebracht, Menschen nach Verletzungen zu verzeihen. Gott gibt uns das Beispiel. Mal sind wir die Schuldigen, mal wird uns etwas angetan. Alle Menschen befinden sich immer wieder auf beiden Seiten. Mit der Demut und dem Wissen, dass auch mir verziehen worden ist, geht es auch leichter selbst zu verzeihen. Manchmal braucht es viel Zeit und Gebet darum und immer wieder einen neuen Anlauf. Es geht nicht einfach so, aber darin Kraft zu investieren lohnt sich. Zu vergeben tut nicht nur dem anderen gut, denn es befreit auch den, der vergibt.

Wer mit ehrlichem Herzen um Verzeihung bittet, weil er zur Einsicht gelangt ist, dass sein Handeln nicht richtig war, den empfängt Gott immer mit offenen Armen.  Seit diesem Moment ist mir das Sakrament der Versöhnung  ein so Wichtiges geworden. Ich bekomme dort immer wieder die Kraft von Gott, neu und anders weiterzugehen, mein Leben zum Guten auszurichten.

Und wie ich das jetzt so schreibe kommt mir ein Satz in den Sinn, den die Kommunionkinder in den Weggottesdiensten bei der Kniebeuge sprechen:

Gott, vor dir bin ich klein – Gott, mit dir bin ich groß.

Genauso ist es! Trauen wir uns, Schuld einzugestehen, um Verzeihung zu bitten und auch zu verzeihen. Gott gibt uns die Kraft für alle drei Handlungen.

Ihre Sabine Jasperneite, Gemeindereferentin

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: 
Gedanken zum Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis

Gedanken zum Evangelium des 21. Sonntags im Jahreskreis

„Wer ist Jesus“ (Mt 16,13-20)

Wer ist Jesus?

„Für wen halten mich die Leute?“ Das ist die Frage eines Promis  -  des mittlerweile in Galiläa populären Jesus von Nazareth.

Für wen haltet ihr mich? Fragen sich vielleicht auch die Kandidatinnen und Kandidaten für die kommenden Kommunalwahlen. Ja - für wen halten wir sie, die uns von den Plakaten her anlächeln und um unsere Stimmen werben. Sie mögen dynamisch und sympathisch sein, sollen »ankommen« bei uns Wählern. Wir wählen sie, weil wir sie für fähig halten, unsere Stadt und unseren Kreis gut zu leiten. Dass man darüber streiten kann, was zum Wohl der Bevölkerung beiträgt, liegt auf der Hand.

Fragen wir uns selbst, wonach wir urteilen, wer diese Kandidatinnen und Kandidaten für uns sind und nach welchem Kriterium ich meine Stimme abgebe.

»Für wen halten mich die Leute?« Dies fragt Jesus seine Jünger. Sie berichten zunächst von dem »was die Leute so sagen«. Die Leute halten ihn für Johannes den Täufer, für Elija, für Jeremia ... also für eine Neuauflage herausragender Propheten, die für Gott und das Gottesvolk da waren.

Diese Antwort reicht Jesus nicht. Er fragt weiter: »Für wen haltet ihr mich?« Er will es nun von ihnen persönlich wissen! Petrus antwortet sehr eindeutig in der Tradition seines jüdischen Glaubens: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!« Was für ein Titel!!! Gesandter Gottes, ja Sohn Gottes! Mehr als alle Propheten vor ihm. Mehr als ein Priester oder der Kaiser.

Es ist ein hoheitlicher Titel für den, den er so ganz menschlich erlebt. Seinen Freund, den Menschenfreund. Als den Menschen zugewandt hat Petrus Jesus immer wieder erfahren. Als jemand, der mit Gottes Weisung auf die Menschen zugeht, der den Menschen verzeiht und ihnen immer wieder von der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes erzählt. Er ist der, der den himmlischen Willen auf Erden erfüllt.

Daraufhin sagt Jesus ihm, für wen er ihn hält: »Du bist der Fels«. Fels, auf dem die Gottesgemeinde, die Kirche, aufgebaut wird. Und da sind wir bei uns, die wir uns wie Petrus von Jesus haben rufen lassen in die Gemeinschaft  -  so z.B. jetzt in diesen Gottesdienst. Du und ich, wir werden von Jesus gefragt: »Für wen hältst du mich?«

Was ist meine Antwort?

  • - Du bist der, der um mich weiß. Der mich besser kennt als ich mich selber kenne. Der mich herausruft zu suchen, was der Wille Gottes ist auf Erden. Ich bleibe auf der Suche und werde nie mit mir und mit dir fertig.
  • Du bist da, auch wenn ich dich nicht spüre. Deine Freundschaft bleibt  -  auch wenn du weit weg bist, da ich nur noch frage und ratlos bin, was der Wille Gottes ist.
  • Du bist der, den ich anspreche, wenn ich den suche, der mehr ist als alles,   -  Gott, von dem ich mir kein Bild machen sollte.
  • Du verkörperst Tod und Auferstehung, also Hoffnung, die mich aufrichtet  -  immer wieder und ganz zuletzt.
  • Du bist der Gründer einer Gemeinschaft, die füreinander da ist, die Solidarität und Freiheit lebt, die mich beflügelt, das Schicksal anzunehmen.
  • Du bist der radikal Gewaltlose mit Kreuzerfahrung.
  • Du bist absoluter Mensch: Frei, liebevoll, göttlich.

Dies wären meine Antworten heute. Und Ihre? Und Deine?

Andere antworten so:

  • »Er hat mir Kraft gegeben, als ich krank war. Als ich nicht mehr wusste, wer mir noch helfen kann.«
  • »Ich habe erfahren, dass Jesus bei mir ist, als ich nach meiner Scheidung in ein tiefes Loch zu fallen drohte.«
  • »Wenn ich Jesus nicht gehabt hätte, wenn ich seine Nähe nicht erfahren hätte, ich wäre nie über den Tod meines Mannes hinweg gekommen.«

Liebe Schwestern und Brüder, für wen haltet ihr mich? Um diese Frage Jesu geht es, wenn ich an ihn glauben will. Eine persönliche Antwort hat Folgen  -  persönlich, gesellschaftlich, politisch.

Andreas Altmiks und Georg Schröder

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu:

Predigt zum Evangelium des 21. Sonntags im Jahreskreis

Gedanken zum Evangelium des 22. Sonntags im Jahreskreis

„Wer hinter mir hergehen will,…, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16, 24 – 25)

„Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Mt 16, 24 – 25)

Liebe Schwestern und Brüder! Etwas verlieren, abgeben, sogar freiwillig darauf verzichten – solche Haltungen scheinen dem Zeitgeist zu widersprechen. Den anderen Pol des Spannungsbogens bilden: Besitzstandswahrung, Erhalt des Wohlstandes und Optimierung der Lebensumstände. Doch da zeigt sich unsere Gesellschaft sehr verunsichert. Analysen machen deutlich, dass sich sorgenvolle Blicke in Richtung Zukunft richten. Das immer „höher, weiter, besser“ hat Risse bekommen und die Gewinnkurve steigt nicht mehr im gewohnten Maß. Doch es gibt auch das: Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Gerechtigkeit und Freiheit für das Leben ihrer Mitmenschen zu gewinnen. Die Nachrichtenbilder aus Weißrussland zeigen sie zurzeit jeden Abend oder die Menschenrechtsaktivisten z. B. im Iran, eine von ihnen ist jüngst wieder in den Hungerstreik getreten, um auf die vielen Unrechtssituationen in ihrem Land aufmerksam zu machen.  Namen wie Maximilian Kolbe, Dietrich Bonhoeffer, die Geschwister Scholl sollten an dieser Stelle auch genannt werden. Sie haben die Aufforderung Jesu, Kreuz und Nachfolge anzunehmen, zutiefst verinnerlicht und haben dann aber auch seine Zusage erfahren, dass dies nicht ein „Weniger“ an Leben, sondern ein Gewinn von innerer Freiheit und ganz bestimmt auch von Gotteserfahrung bedeutete, trotz schlimmster äußerster Bedrängnis. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: Wer Gott im Kreuze Jesu Christi gefunden hat, weiß, wie er gerade dort am nächsten ist, wo wir ihn am fernsten glauben. Leider hat es in der Kirche immer wieder Tendenzen gegeben, Leid zu verherrlichen und bewusst herbeizuführen, Bußübungen, Selbstkasteiungen … bis heute in bestimmten Gruppen üblich, zählen dazu. Das widerspricht zutiefst dem, was Jesus gemeint hat mit seiner Aufforderung zur Kreuzesnachfolge. Doch ich glaube auch, dass wir nicht am „Kreuz“ vorbeikommen, wenn wir uns auf ihn einlassen. Wer könnte nicht Beispiele von den vielen kleinen und großen Krisen erzählen, in denen wir Kreuze mit all ihrem körperlichen oder seelischen Schmerz tragen mussten oder noch müssen. Es ist für mich eine der größten Herausforderungen unseres Glaubens, darauf zu vertrauen, dass genau dann dieser Jesus meine Wege mitgeht und an meiner Seite ist. Aber in vielen Situationen bleibt auch erstmal die Frage nach dem „Warum“ und das Gefühl von „Gott-Verlassenheit“. Edith Stein hat einmal gesagt: Je dunkler es um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz für das Licht von oben öffnen. Wie gesagt, dieses Suchen und Bemühen bleibt eine Herausforderung…!

Ihre Bernadette Klens

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu:

Predigt zum Evangelium des 22. Sonntags im Jahreskreis

Gedanken zum Evangelium des 12. Sonntags im Jahreskreis

„Fürchtet euch nicht vor den Menschen“ (Matth.10, 26-33)

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet Euch  nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird; und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.“  

Eindrucksvolle Worte! 

Jesus scheint gut gewusst zu haben, was so unter den Menschen los ist bzw. was die Apostel erwarten wird: das Gerede, das Gemecker, das bewusste Missverstehen. Das alles ist auch Jesus nicht erspart geblieben. Und weil die Menschen euch eh unter Druck setzen, ihren Vorteil suchen und euch bedrängen werden,  habt ihr nichts zu verlieren. Redet über all´ das, was ich jetzt nur zu euch sagen werde, verkündet es später von den Dächern.

Heute könnte man sagen: „Nehmt kein Blatt vor den Mund; bleibt ehrlich; lasst euch nicht unterkriegen; lasst euch kein X für ein U vormachen; verkündet die Wahrheit, ob es den Menschen passt oder nicht.“ Die bekannte kölsche Volksschauspielerin Trude Herr hat dazu mal gesungen:

„ Ich saare wat ich mejne, jonn ich och dodran kapott.
Schaad ich mir och selvs, ich kruffe keinem in de Fott.
Ma hätt doch e Hätz noch, ene Kopp e Jewisse,
un sin Meinung verkäuv mer nit om Maat.
Ich weiss wie mer arbeit, wie mer laach, un wie mer fiert,
ävver wie mer Klinkeputz dat han ich nit jeliert.
Mer nimmt doch kein Jeld an für Liebe.“

Jesus selbst ruft uns auf zur Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, auch dann, wenn das bei denen, die das Sagen haben  und die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben, diese in  ihrer Macht verdrehen und verbergen zu können, unerwünscht ist.     

Man redet zwar davon, dass man doch offen und ehrlich als Gemeinschaft miteinander umgeht oder umgehen will, und schreibt das auch anderen vor, man spricht sogar von der Freiheit des Gewissens, meint aber leider oft genug was anderes: Nämlich die Einhaltung der gewohnten Ruhe und Ordnung, ordnet Stillschweigen an und verbietet den Mund. Das wurde schon Jesus vor 2.000 Jahren zum Verhängnis.

„Fürchtet Euch nicht vor den Menschen“, so heißt es im heutigen Evangelium.  -  Und?!  - Sieht es heute nach 2.000 Jahren Christenheit, nach 2.000 Jahren Weg-Geschichte mit dem Evangelium, so viel anders aus?!

JA, es sieht schon anders aus! – und - NEIN, es gibt auch heute ebenso manche Probleme wie damals!

JA, deshalb, weil viele, unzählig viele Menschen in den 2.000 Jahren im Namen Jesu den Mund aufgemacht und sich eben nicht vor den Menschen gefürchtet haben,  sich weder von weltlichen, noch von kirchlichen Herrschern,  das Wort haben verbieten lassen. Sie sind ihrem Gewissen und ihrer Glaubensüberzeugung gefolgt, haben sich nicht vor den Menschen gefürchtet, auch wenn diese Menschen Bischöfe oder Päpste waren. Bei so manchen wurde der Leib verstümmelt oder getötet, damit sie endlich den Mund halten, aber ihre Seele, das Innere, die tiefe Überzeugung, für die sie ihr Leben eingesetzt haben, konnte bis heute durch kein System dieser Welt getötet werden. –

So manche unserer heute offiziell als Heilige, als Vorbilder verehrte Menschen wurden zu Lebzeiten offiziell abgelehnt, bekämpft oder verstoßen. Dabei sind sie nur für die erkannte Wahrheit  und für Gerechtigkeit eingetreten,  manchmal sogar für die wissenschaftlich nachweisbare Wahrheit, die man nicht hören und nicht wahrhaben wollte.

„Fürchtet euch nicht vor den Menschen“.

Und deshalb gilt für unsere Zeit - nach 2.000 Jahren Weg-Geschichte mit Jesu Botschaft vom Leben -  leider auch die Antwort „NEIN“ auf die Frage   „Sieht es heute so viel anders aus als zur Zeit Jesu?“

Vergessen dürfen wir somit weder die unzähligen positiven und heilbringenden Zeiten, Zeichen und Leistungen unserer christlichen Kirchen und Gemeinden, noch die Zeiten, die Leid und Unheil gebracht haben und leider bis heute bringen.

Damals wie heute gilt für jeden von uns, für Sie und Euch, für Dich und für mich selbst: Es gibt sie, die Sonnen- und Schattenseiten, positive und negative Entwicklungen, Verhaltensweisen und Äußerungen. Doch so lange noch eine Entwicklung festzustellen ist, Neues ausprobiert, Bewährtes, dem Leben und der Gemeinschaft dienendes erhalten, Überholtes und Hinderliches aus dem Weg geräumt wird, so lange lebt unsere Kirche, unsere Gemeinde vor Ort, unser Orts- und Dorfleben.

Auch eine Gemeinschaft von Glaubenden und Suchenden, eine Gruppe, ein Verein… ist so ansprechend, stärkend, Hoffnung, Freude und Trost bringend, Leid ertragen helfend, wie jede und jeder Einzelne die oder der dazu gehört oder teilnimmt.  Und gerade auch in Glaubensfragen gilt da heute besonders: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen.“  Auch dann nicht, wenn sie euch belächeln, euch als altmodisch, überflüssig und nicht systemrelevant bezeichnen….

Mal abgesehen von manchen wirklich lächerlich wirkenden Ersatz-Veranstaltungen in den letzten Wochen der Pandemie: Empfinden Sie sich, empfindest Du Dich, empfinde ich mich, als die, die wir immerhin auch zur Kirche gehören  und auf verschiedene Weise am Leben der Glaubensgemeinschaft teilnehmen als altmodisch, rückschrittlich und überflüssig?!

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, im Suchen, im Fragen und im gemeinsamen Unterwegssein als Christen

„Fürchtet euch nicht vor den Menschen“.

Eine Aufforderung Jesu bzw. des Evangelisten, die sicherlich nicht immer so leicht im Leben umzusetzen ist, und dennoch  gilt: Lassen wir uns unser Leben, das wir geschenkt bekommen haben,  das wir mal mit Freude leben dürfen, dann aber auch mit manchen Leiden und Sorgen zu leben haben nicht kaputt machen und kaputt reden.

Lassen wir uns unsere christliche Überzeugung nicht nehmen, zumindest so lange nicht, wie sie stärkend, tröstend und aufrichtend ist und bleibt. Und das ist und bleibt hoffentlich Grund genug zur Freude am Glauben und an unserer Gemeinschaft.

Hildegard Knef hat einmal eindrucksvoll geschrieben: „Die Welt ist geschwätzig und vorlaut, solange es gut geht. Nur wenn jemand krank ist oder stirbt, wird die Welt verlegen, dann weiß sie nichts mehr zu sagen. Genau an dem Punkt, wo die Welt schweigt, richtet die Kirche eine Botschaft auf. Ich liebe die Kirche um dieser Botschaft willen.“ (Hildegard Knef)

Schweigen - und aufrichtende Botschaft – wann ist was gefragt?!

Richten wir gemeinsam diese Botschaft auf  und stärken wir uns im und zum Glauben, wenn uns mal wieder die Furcht  nicht nur vor den Menschen überkommt.

Das wünsche ich Ihnen und Euch, Dir und mir selbst.  Amen.

Ihr Ignatius Möncks, Pastor

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt 12 So JK (Audio ,3,3 MB)

Gedanken zum Evangelium des 13. Sonntags im Jahreskreis

„Was krieg ich dafür?“ (Mt 10, 37–42)

Liebe Schwestern und Brüder, 

„Was krieg ich dafür?“ Eine Frage, die wohl jeder schon mal gehört oder auch selbst gestellt hat. Nun ja, Einsatz muss sich lohnen. Ich tue was für dich. Was krieg ich von dir dafür? In der Arbeitswelt eine völlig normale und berechtigte Sache. Leben und leben lassen, geben und nehmen. Und das Empfangene soll, ja muss in einem gerechten Verhältnis zu dem Gegebene stehen. Klar. 

„Was krieg ich dafür?“ Einmal fragt Petrus Jesus in ähnlicher Weise. „Herr, du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür erhalten?“ Die Antwort Jesu klingt gut. Das Hundertfache von dem was ihr zurückgelassen habt. Aber nicht hier, sondern erst im Reich des Vaters werdet ihr es empfangen. Leider haben wir keine Ahnung, wie genau dieser Lohn aussehen wird. So gesehen, ist es ein Risiko Jesus nachzufolgen. Und dabei ist der Einsatz, den er verlangt exorbitant hoch. Wer seine Eltern oder seine Kinder mehr liebt als mich, „ist meiner nicht wert“, sagt Jesus knallhart. Immerhin: ihn genauso zu lieben wie die eigene Familie reicht offenbar schon aus. Trotzdem: Jesus bittet nicht höflich um eine Spende von dem, was man erübrigen kann, sondern er verlangt alles.

  „Was krieg ich dafür?“ Es ist möglich, dass jemand in diesem Leben nur sehr wenig bekommt, für das Ganze, dass er oder sie eingesetzt hat. Doch auch das macht Jesus einem Pharisäer gegenüber einmal deutlich. Das Himmelreich erwirbt man nicht dadurch, dass man seine Essenseinladungen (usw.) durch Gegeneinladungen wieder vergolten bekommt. Sondern bleibende Schätze erwirbt man, wo man gibt ohne erwarten zu können, etwas zurückzuerhalten. Nur so breitet sich der Geist Christi aus und gelangt bis an die Enden der Erde.

Auch im zweiten Teil des heutigen Sonntagsevangeliums bleibt Jesus sehr vage mit seinen Aussagen über den zu erwartenden Lohn. Der Lohn eines Gerechten, der Lohn eines Propheten – was ist das? Ein wenig hilft uns hier die erste Lesung. Als Lohn für die gastfreundliche Aufnahme des Propheten Elischa, wann immer er vorbeikommt, bekommt die Frau den langersehnten Sohn. Folglich lässt sich also der Lohn des Propheten offenbar nicht in Geld ausdrücken.

Wer glaubt, der ist davon überzeugt, dass es nach diesem Leben ein Leben gibt, dass unendlich schöner ist als dieses und dass man aber – wenn man so will – hier durch sein Handeln schon „Ansparen“ kann für das Jenseits. Auch wenn unser Verstand nicht ausreicht um diesen Lohn zu begreifen oder zu erfassen – wer glaubt, ist überzeugt seinen Lohn zu erhalten und kann hier geben ohne ständig zu fragen: „Was krieg ich dafür?“

ihr Ullrich Birkner, Pastor

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt 13. Sonntag i Jahreskreis (MP3, 2,5 MB)

Gedanken zum Evangelium des 11. Sonntages im Jahreskreis

"...die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter" (Mt 9, 36 – 10,8)

„In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte der zu seinen Jüngern: die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“(Mt 9, 36 -38)

Liebe Schwestern und Brüder! Diese Verse erinnern mich immer zunächst an Gebetshefte und Broschüren, die den Gemeinden zur Verfügung gestellt wurden und werden  für das Gebet um Priester- und Ordensberufe. Als Gemeindereferenten/innen werden wir dort immerhin in der letzten Zeit häufiger genannt. Ohnehin ist es sicher zu verkürzt, diese Verse allein  mit der Sorge um die sogenannten geistlichen Berufungen in Verbindung zu bringen. Auch wenn diese Zahlen mittlerweile dramatisch eingebrochen sind. Es ist das Anliegen von Matthäus, dass die damaligen Gemeinden und auch wir als Kirche heute zunächst einmal voller Offenheit und Mitgefühl auf die Situation von Menschen  schauen. Nicht nur die Amtsträger, nein wir alle sollen auf das Leben in all seinen Höhen und Tiefen, ja seinen Sorgen und Herausforderungen schauen. Mit dem Blick Jesu sollen wir hinschauen,  wahrnehmen und sensibel sein für die Bedürfnisse derer, die das Leben mit uns teilen. Arbeiter/innen für die Ernte sein … interessant ist, als angesichts der Corona-Krise nicht genügend Erntehelfer zur Verfügung standen u.a. für die Spargel-Ernte, wurde immer wieder die Erfahrung der bisherigen Kräfte genannt, ihre  Sensibilität, das gute Augenmaß, ihre Ausdauer …Und was ist das Anforderungsprofil von Erntehelfern /innen heute in unseren Gemeinden, in unserer Kirche?  Als wir begonnen haben, die Mitglieder der Pfarrgemeinderäte in unserem Pastoralverbund zu begleiten, war ein wichtiges Anliegen, sie zu ermutigen, die Aufgaben anzugehen, die sie mit Freude, mit Herzblut tun möchten. Dabei dürfen und können Gemeinden durchaus unterschiedliche Schwerpunkte entwickeln – je nach den Begabungen der Menschen, die dort zusammenkommen.  Allerdings kann es dann durchaus sein, dass manche starr und leblos gewordene Tradition kirchlichen Lebens nicht mehr gepflegt wird. Manchmal denke, dass wir als Kirche neu lernen müssen, auf all die vielen Erntehelfer in den Familien, Betrieben und Einrichtungen  zu schauen, die in  ihrem ganz konkreten Alltag christlich handeln, ohne dass sie vielleicht zum Kreis der regelmäßigen Gottesdienstbesucher zählen. Neben den Amtsträgern leben auch sie die Sendung Jesu und wirken heilsam, stärkend, aufrichtend bei den Müden und Erschöpften. Auch sie sind in ihrem Tun dem Himmelreich nahe, so wie Jesus es verkündet. Vielleicht müssen wir alle lernen, unsere unterschiedlichen Berufungen mit Wertschätzung anzuerkennen. Das Miteinander des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen und des Amtspriestertums der Geweihten muss weiterwachsen. Vielleicht wächst aus einem gelungenen  Miteinander der Erntehelfer und-helferinnen auch eine neue Anziehungskraft für unsere Gemeinden …

Ihre Bernadette Klens, Gemeindereferentin

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken 11_So im JK 13_06_20 (Audio, 3 MB)


Gedanken zum Evangelium Fronleichnam 2020

„Ich bin das lebendige Brot...“ (Joh 6, 51-58)

Mit Fronleichnam müssen wir in diesem Jahr wieder ein wichtiges kirchliches Fest anders feiern, als wir es gerne möchten. Wir sind eingeschränkt durch die Vorsichtsmaßnahmen, die uns auferlegt sind.

Auch wenn immer weniger Menschen den Brauch der Prozession an Fronleichnam verstehen, so zeigen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, damit doch sehr eindrücklich, dass sie genau das glauben, was Jesus heute zu uns im Evangelium sagt: ER ist wirklich und wahrhaftig in diesem Brot. Es ist Jesus selbst.

Warum können wir dies glauben, wo doch weiterhin nur ein kleines Stück Brot zu sehen ist? Immer wenn ich an diesen Punkt meiner Gedanken komme, fällt mir das Lied „Gottheit tief verborgen“ ein. In der zweiten Strophe dieses Liedes (GL 497) von Thomas von Aquin heißt es:
Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir,
doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen nehm ich glaubend an.
Er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.

Dieses Geheimnis wird für unsere Sinne immer eine Täuschung sein, aber durch die Kraft Gottes, die wir im Glauben an Jesus Christus empfangen, können wir im Vertrauen auf Jesu Worte im Herzen spüren, dass es so ist. Jesus selbst hat es uns beim letzten Abendmahl gesagt: Das ist mein Leib; das ist mein Blut. Diese Worte sind über Zeit und Raum von IHM gesprochen und verbinden uns mit ihm, dem lebendigen Brot.
Wenn wir diese Botschaft, aus gutem Grund, in diesem Jahr nicht nach außen tragen können so ist dieses Jahr vielleicht dafür gedacht, dass wir nach innen gehen. Das wir, die wir dieses Geheimnis in der Eucharistiefeier regelmäßig feiern, darüber nachdenken, ob wir (noch) daran glauben. Ob es für uns (noch) wahr ist.
Manchmal ist es so selbstverständlich, dass man in der Messe zur Kommunion geht. Das gehört für die, die dürfen, mit dazu. Das macht man halt so.

Machen wir uns doch in diesem Jahr, nicht nur an Fronleichnam, sondern bei jeder Heiligen Messe neu bewusst, dass Jesus selbst sich in unsere Hände legt.
Lassen wir alle störenden Gedanken im Augenblick des Empfangs der Kommunion weg und öffnen unser Herz ganz und gar für dieses Geheimnis seiner Liebe, für dieses große Geschenk.
Dann können wir im nächsten Jahr vielleicht wieder überzeugt und neu gestärkt im Mitgehen der Prozession unseren Glauben an dieses Geheimnis demonstrieren.

Ihre Sabine Jasperneite, Gemeindereferentin

​Gedanken zum Evangelium am Dreifaltigkeitssonntag

Gnade – Liebe – Gemeinschaft (Tedeum) (Joh 3, 16–18)

Die Lesung heute war das Ende des zweiten Korintherbriefes  -  eines sehr persönlich gehaltenen Briefes des Apostels Pau-lus an die Gemeinde in Korinth. Hintergrund sind Auseinander-setzungen über seine Rolle, seinen Dienst, seine Weisungen. Die Gemeinde ist sich nicht einig. Paulus versucht, alle wieder zu erden, indem er deutlich macht, dass ein Apostel immer auch schwach ist und auf Jesus angewiesen bleibt. Das Tun eines Apostels und dessen „Erfolg“ sei nie und nimmer vom Handelnden alleine abhängig, sondern eben auch von Gott und den Mitmenschen, also von Gnade, von Liebe, von Gemeinschaft.

Das Handeln und die Wirkungen eines Menschen haben also immer auch mit Bewusstsein zu tun, mit gegenseitiger geistiger Durchdringung. Wenn etwas geistig, vernünftig und ver-standesmäßig nicht durchdrungen ist  -  dann kommt es zu Verwerfungen unter den Menschen. Ich meine, dies ist ein aktuelles Thema, wenn wir auf die politische und menschliche Katastrophe in den USA schauen  -  und nicht nur dort! Denken wir an Brasilien und an andere Demokratien, die von ihren gewählten Vertretern selbstherrlich und herrisch regiert werden.

Demgegenüber bin ich dankbar für die geistig gesunde Verfassung unserer leitendenden Staatsorgane in der Corona-Pandemie. Mit demokratischer Streitkultur wurde uns allen ein Weg gewiesen, der die Ansteckungsgefahren stark verringert hat.

Zurück zu Paulus. Die Lesung ist der Abschluss des Briefes:

Freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, haltet Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

Hier ist die gegenseitige Verflechtung von unserem Tun und Gottes Tun ausgesprochen! Was für ein treffendes Wort für unsere Zeit und die politisch Handelnden: Kehrt zur Ordnung zurück  -  beendet das Chaos. Lasst euch ermahnen  -  hört die Kritik und antwortet vernünftig. Haltet Frieden  -  antwortet auf friedlichen Protest friedlich!

Dann rät Paulus: Grüßt einander mit heiligem Kuss! Es grüßen euch alle Heiligen! Mit „Heilige“ sind alle Christinnen und Christen gemeint.Und schließlich:
Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Der zweite Korintherbrief endet mit diesem Wunsch, dass Gott mit allen sei. Die Dreifaltigkeit bzw. Trinität Gottes wird ausgedrückt, ohne dass Paulus diesen Begriff „Trinität“ überhaupt gekannt hat. Die dogmatische Lehre über die Trinität kommt erst viel später!

Zu diesem Wunsch der Gegenwart Gottes unter den Menschen, in der christlichen Gemeinde, also in den Getauften finde ich im Gebetbuch Tedeum diese Meditation (Text liegt aus!):
Gnade ohne Liebe     ist herablassend.
Liebe ohne Gnade     ist bevormundend.
Gnade ohne Gemeinschaft     ist selbstsüchtig.
Gemeinschaft ohne Gnade     tötet.
Liebe ohne Gemeinschaft     ist eigennützig.
Gemeinschaft ohne Liebe     unaufrichtig.

Wenn Gott gegenwärtig ist, dann werden Gnade und Liebe und Gemeinschaft miteinander vollkommen.

Die Gnade schafft durch die Liebe     Freiheit.
Die Liebe wird mit Gnade     zur Freude.
Die Gnade gibt der Gemeinschaft     Bestand.
Die Gemeinschaft wird durch Gnade     zum Zuhause.
Die Liebe macht aus der Gemeinschaft     ein Schatzhaus.
Die Gemeinschaft verbindet sich mit der Liebe     zum Glück.

Wenn die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes unter uns sind, dann sind wir frei und kommen an im Glück, das bleibt.

Jedes öffentliche oder private Zusammenleben können wir mit diesem Text befragen, so meine ich. Es ist ein Wort zur Gewissenserforschung!

Gnade ohne Liebe     ist herablassend.
Liebe ohne Gnade     ist bevormundend.
Gnade ohne Gemeinschaft     ist selbstsüchtig.
Gemeinschaft ohne Gnade     tötet.
Liebe ohne Gemeinschaft     ist eigennützig.
Gemeinschaft ohne Liebe     unaufrichtig.

Wenn Gott gegenwärtig ist, dann werden Gnade und Liebe und Gemeinschaft miteinander vollkommen.

Ich hoffe, dass jede und jeder von uns etwas davon erfahren darf  -  vom Gott unter uns mit Gnade, Liebe Gemeinschaft. Es sind ganz menschliche Erfahrungen.

Das Johannesevangelium spricht dies sehr poetisch aus:

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ (Ev. Joh 3,16-18).

Gott hat die Welt so sehr geliebt  -  Liebe.
Dass er seinen Sohn hingab  -  Gnade.
Damit niemand verloren geht  -  Gemeinschaft.

Jesu Liebe, Gnade, Gemeinschaft  -  prägen uns überaus menschlich.
Lassen wir uns prägen.
Beeindrucken wir unsere Welt, damit sie nicht aus den Fugen der Mitmenschlichkeit fällt.

Ihr Pfarrer Georg Schröder

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken zum Evangelium Drefaltgkeitssonntag (Audio, 3 MB)



Gedanken zu Pfingsten 2020

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh 20,19-23)

Das, was da im Johannesevangelium geschrieben steht, soll so am Abend des ersten Tages der Woche, also am Sonntag, passiert sein! Anders als beim Evangelisten Lukas findet nach der Darstellung des Johannes dieses Pfingstereignis nicht erst nach 50 Tagen, sondern bereits am Abend des Ostersonntages statt. -

Das könnte einen ja schon nachdenklich stimmen! Wann war es denn nun?! – Wir wissen es nicht!

Aber – darum geht es auch eigentlich nicht! Es geht um die Sendung des  - von Jesus versprochenen - Beistandes, des Geistes Gottes! Der eine beschreibt diese gemachte Erfahrung nach Jahrzehnten so und der andere eben anders. Doch, wer will das überhaupt noch hören? Wer erwartet sich heute – fast 2000 Jahre später – überhaupt noch etwas vom sogenannten Geist Gottes?!

Und anders gefragt: Brauchen die Menschen in der heutigen Zeit noch die Kirche zur Weitergabe des Geistes Gottes?! Kann ich nicht auch glauben ohne Kirche?! – Ja, das geht!

Wenn in diesen Wochen der Corona-Krise einige Verantwortliche in der Kirche betont haben bzw.  immer noch betonen, dass die für uns katholische Christen geltende Sonntagspflicht zur Zeit aufgehoben ist, dann ruft das bei manchen Erstaunen, ein müdes Lächeln oder Schulterzucken hervor. Sonntagspflicht? – Was für eine Pflicht?!

Bischof Gerhard Feige von Magdeburg hat im Zusammenhang mit der Corona- Krise am 06. Mai an seine Bistumsangehörigen u.a. folgendes geschrieben: „In besonderer Weise ist uns die Gegenwart des Auferstandenen in der Eucharistie zugesagt. … 

Wie bleiben eigentlich die vielen katholischen Gläubigen auf der Welt, die aufgrund des großen Priestermangels nur wenige Male im Jahr die Eucharistie mitfeiern und die Kommunion empfangen können, in ihrem Glauben lebendig?... Nun sind auch wir dazu herausgefordert, uns neu und intensiver damit zu befassen, was unseren Glauben ausmacht.

Was ist eigentlich das Wesentliche? …

Für Jesus Christus sind Gottesliebe und Nächstenliebe untrennbar. … Damit begegnen wir Gott aber nicht nur in der Liturgie, sondern immer auch in den Menschen, die seiner Liebe bedürfen. Die tätige Nächstenliebe und die Solidarität mit denen, die leiden, sind für Jesus ein Kriterium dafür, ob es uns wirklich um Gott geht. Vielleicht wartet Christus deshalb momentan vor allem in den Menschen auf uns, die von der Krise besonders betroffen sind und die uns und unsere Solidarität, unsere konkrete Hilfe aber auch unser fürbittendes Gebet brauchen. …“
Bischof Gerhard Feige beschließt seinen Brief mit einem Dank an die vielen, die mit ihrer Glaubenskraft, ihrem Einsatz und ihrer Kreativität hoffnungsvolle Zeichen gesetzt haben und betont:
„Wir sind gemeinsam unterwegs und gestalten mit vielfältigen Glaubenserfahrungen und unseren jeweiligen Begabungen unsere Kirche mit. Dabei werden unterschiedliche Sichten und Glaubensakzente sichtbar; gestehen wir uns gegenseitig zu, dass keine Lösung allen Interessen gleichermaßen gerecht werden kann.“ („Würdig feiern – ohne Ausgrenzung“ Brief des Bischofs von Magdeburg Gerhard Feige 06.05.2020  auf der Bistumsseite unter „Aktuelles und Termine“)

In den vergangenen Wochen habe ich diese Sichtweise und weitere Stellungnahmen von Bischof Feige als sehr wohltuend empfunden. Nicht zuletzt hat auch das persönliche Gebet mit dazu beigetragen, dass sich viele auch außerhalb der Gottesdienstgemeinschaft  miteinander verbunden und getragen wissen durften und weiterhin dürfen!

Für manche hat sich aber auch gerade in diesen Woche eine neue – bis dahin nicht gekannte – Leere in ihrem Glaubensleben, aber auch in ihrem persönlichen Leben aufgetan. Die Begegnung mit Freundinnen und Freunden, mit Familienangehörigen, mit Vereinsmitgliedern sowohl in musikalischen als auch sportlichen und volkstümlichen Bereichen wurden und werden vermisst. Und so manches wird auch noch in den kommenden Monaten anders oder gar nicht sein.

Und was hat das jetzt alles mit Pfingsten und mit dem Heiligen Geist zu tun?!

Vielleicht ist es wirklich so, wie der Theologe und Autor Michael Tillmann unter der Überschrift „Der zentrale Begriff meines Pfingstfestes ist LEERE“ schreibt:
„Wenn ich den Heiligen Geist empfangen möchte, muss ich ihm Platz einräumen, muss leer sein. … (Das) heißt auch: Keine bestimmten Vorstellungen zu haben, wie der Heilige Geist wirken soll, wie ich ihm begegnen kann. Ansonsten ist die Gefahr  groß, dass ich den Heiligen Geist übersehe, weil ich – um im Bild zu sprechen – Sturmbrausen und Feuerzungen erwarte, wo der Heilige Geist doch ganz anders wirkt.“ (Michael Tillmann)

Vielleicht ist es diese LEERE, die mich auch gerade in diesen Wochen ungewohnt frei werden lässt. Frei werden lässt für neue Wege, für den Geist Gottes, in meinem Leben, in deinem Leben, in unserem Leben  in, mit und womöglich auch ohne die „offizielle“ Kirche.

Ja, vielleicht ist es diese LEERE, die erst kommt, die erst kommen muss, um dann neu gefüllt werden zu können. Gerade auch diese LEERE haben so manche – auch innerkirchlich – nicht oder nur schwer ertragen können.

So mancher hat diese Leere mit hilflosen – manchmal hohlen und entlarvenden – leider auch, mögen sie noch so ernsthaft gemeint gewesen sein, lächerlich wirkenden Aktionen zu füllen versucht.

Aber auch „Geist-reiches“ hat diese Leere erfüllt – gerade vielleicht auch dort – wo die Leere auch sein durfte und  zugelassen wurde, wo – um beim Bild des Evangeliums zu bleiben – die Türen auch erstmal aus Furcht – verschlossen waren.

Sehr gut ausgedrückt finde ich das im Text des holländischen Theologen Huub Oosterhuis  „Ik staa vor U“:
„Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege. Von Zweifeln ist mein Leben übermannt. Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen? Sprich Du das Wort, das tröstet und befreit. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“ (GL 422)

Das war damals die Situation der Jünger: Angst, Zweifel, Unsicherheit, verschlossene Türen! In genau dieser Situation tritt Jesus hinter die verschlossenen Türen und haucht seine Jünger an. Im Evangelium heißt es: Er hauchte sie an – das ist geradezu zärtlich und vorsichtig – und sprach zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!“.

Ein Hauch nur ist der Atem, in dem wir beten. Und doch hoffentlich ein Hauch – den wir Geist nennen – der UNS, der DICH und der MICH in aller LEERE TRÖSTET   UND  BEFREIT!

Bitten wir immer wieder neu um diesen Hauch Gottes,- um diesen Geist Gottes -,  der nicht fesselt und niedermacht,  sondern tröstet und befreit:

„Sprich du das Wort, das tröstet und befreit.  Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“
Amen.

Es folgt der Text von Huub Oosterhuis aus dem Gotteslob Nr. 422
„Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“:

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege. Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott; mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen. Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land? Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

 Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

Ignatius Mönks

Wenn Sie diese Gedanken auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu:

Gedanken zu Pfingsten (3,7 MB)

Gedanken zum Evangelium zu Christi Himmelfahrt

Am Himmelfahrtsfest ein Evangelium ohne Himmelfahrt...

Am Himmelfahrtsfest ein Evangelium ohne Himmelfahrt.

Das Matthäusevangelium endet mit diesem Text, in dem Jesus, der Auferstandene zwar den Jüngern auf einem Berg erscheint, aber nicht in den Himmel aufgenommen wird, wie es bei Lukas zweimal erzählt wird.

Ein Evangelium also am Himmelfahrtsfest ohne Himmelfahrt, aber mit Auferstehung und offenem Ende, wenn den Jüngern aufgetragen wird: Geht nun los. Geht auf die Menschen zu, ohne zu fragen, woher sie sind, welcher Nation oder welchem Glauben sie angehören. Und tauft. Und lehrt sie das, was ihr von mir gelernt habt. Und bei alledem seid gewiss: Ihr seid nicht allein. Ich bin immer bei euch  -  bis zum Ende der Welt.

Offenes Ende, aber am Ende nicht allein. Jesus ist auferstanden und lässt die Jünger und Jüngerinnen mit ihm auferstehen! Er lässt alle Menschen auferstehen  -  wenn ich einmal so die Taufe deute.

Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dies sei ein Taufbefehl  -  wurde uns als Studenten oft gesagt.

Ist es ein Befehl? Kann eine Taufe befohlen werden? Aus der Kirchengeschichte lernen wir, dass es Taufbefehle gegeben hat. Menschen, die sich weigerten, die Taufe zu empfangen, wurden ermordet. Heute  -  in einer Zeit, in der wir um die Vielfältigkeit menschlicher Sozialisation und religiöser Kulturen wissen und sie mit den allgemeinen Menschenrechten tolerieren, heute zählt mehr denn je die persönliche Überzeugung und die freie Entscheidung zur Taufe.

Die Taufformel nach Matthäus muss schon in seiner Gemeinde praktiziert worden sein. Wenn die Jüngerinnen und Jünger heute auf Menschen zugehen, die neugierig geworden sind auf das Christentum und die Taufe empfangen möchten, dann mag die Taufe die Weite unseres Glaubenslebens erfassen, um viele anzusprechen.

Taufe als Zeichen dafür, wie sehr ein Mensch mit Gott verbunden ist.

Taufe wäre dann unser Zeichen dafür, wie sehr ein Mensch mit Gott verbunden ist. Wir Men-schen fragen über das hinaus, was wir selber sind und erleben. Das unterscheidet uns erfah-rungsgemäß von Tieren und Pflanzen. Das Fragenkönnen unterscheidet uns und das Bewusst-sein, dass es mehr geben kann, als wir jemals erfahren und wissenschaftlich erforschen kön-nen.

Die Taufe wäre dann unsere gläubige Antwort auf die Frage, ob es mehr als alles gibt und welche Folgen dies für unser Leben hat. Hier mein Antwortversuch:

Ich bin getauft auf den Namen des Vaters:

Mit Vater ist Gott selbst gemeint. Gott, der gemacht hat, dass es das Universum gibt mit der Erde, mit dem Leben und mit uns Menschen. Ich glaube nicht an einen reinen Zufall des Le-bens. Nun bin ich da. Du bist da. Mensch bin ich, Mensch bist du. Geschaffen sind wir nicht nur durch die Eltern, sondern auch als Geheimnis des Lebens. Zudem ist uns eine ungeheure Frei-heit gegeben, denn wir könnten uns selbst, wir könnten unsere Lebensgrundlagen zerstören. Will das einer von uns?

Ich bin getauft auf den Namen des Sohnes:

Mit Sohn ist Jesus von Nazareth gemeint. Er lebte eine maßlose, ja göttliche Liebe unter uns. Sein Leben sei Vorbild für meines. Es sei so. Dass es nicht immer so ist, ist mein Fehlverhalten. Ich will viel von ihm und über ihn wissen, damit mein Gewissen spricht, wenn ich in Böses zu fallen drohe.

Ich bin getauft auf den Namen des Heiligen Geistes:

Er ist der Geist des Vaters und des Sohnes. Er ist die Gemeinschaft, die innige Verbundenheit von Vater und Sohn, von Mutter und Tochter, von Vater und Tochter, von Mutter und Sohn. Getauft auf seinen Namen bedeutet: Als Mensch bin und bleibe ich verbunden mit anderen Menschen  -  nicht nur mit meinen Eltern. Nein, mit jedem Menschen, weil jeder Mensch Gott zum Vater, zur Mutter hat. So denken wir christlich von uns Menschen. Und deshalb ist jeder Mensch von Anfang an im Grunde gut, weil jeder Mensch dazugehört  -  zu diesem göttlichen Leben, das auf dieser Welt ausgelebt wird, wenn Menschen einander achten, füreinander sorgen und sich aneinander wärmen.

Die zeichenhaft beim Übergießen mit Wasser empfangene Taufe auf den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist würde mir also sagen: Sei gewiss, du bist mit Gott verbunden immer und überall. Gott  -  Vater/Sohn/Geist  -  ist bei dir bis zum Ende der Welt.

Liebe Schwestern und Brüder, auf dieser Erde leben rd. 7 Milliarden Menschen; ungefähr 2,3 Milliarden sind christlich getauft in vielen Konfessionen. Was ist mit den ca. 4,7 Milliarden Ungetauften? Sind sie ausgeschlossen von dem, was Gottes ist?

Ich kann das nicht glauben. Warum?

Weil jeder Mensch ursprünglich so ist wie jeder andere Mensch, ausgestattet mit hervorragen-den Anlagen, um sich zu entwickeln und einmal selber Fragen zu stellen nach dem, was mehr ist als alles. Dies wäre die Verbindung zu Gott.

Sind Ungetaufte ausgeschlossen von Gott? Ich kann das nicht glauben. Warum? Weil jeder Mensch ursprünglich Liebe und Zuneigung braucht, Liebe und Zuwendung schen-ken kann. Dies wäre die Verbindung zu Jesus.

Sind 4,7 Mrd. Menschen ausgeschlossen von Gott? Ich kann das nicht glauben. Warum? Weil jeder Mensch ursprünglich nicht allein ist, nicht ohne einander lebt, geborgen ist in Ge-meinschaft, die über sich selber hinausgeht. Diese gelungene Gemeinschaft wäre doch der Himmel. Diese Gemeinschaft wäre eine Geisteskraft. Dies wäre die Verbindung zum Heiligen Geist.

Der Himmel, das Göttliche in der Welt und über alle Welt, ist für jeden Menschen möglich; Himmelfahrt ist sozusagen für jeden Menschen möglich  -  mit und ohne Taufe. Mit der zeichenhaften, sakramentalen Taufe wird der Himmel uns ganz gewiss anvertraut, wie Jesus den Himmel auf Erden seinen Jüngern verspricht: Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.

Ich glaube, er meint damit:

Der Himmel ist bei euch, alle Tage bis zum Ende der Welt. Der Himmel ist bei euch auf der Erde. Der Himmel bleibt. Der Himmel geht über allen auf!  (GL 789)

(Georg Schröder, Mai 2020)

Wenn sie diese Gedanken zum Evangelium auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt Christi Himmelfahrt (3,5 MB)

Gedanken zum Evangelium zum 7. Sonntag nach Ostern

"Abschiedsrede Jesu" (Joh 17, 1–11a)

Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt Feste, die werden mehr oder weniger von den Menschen sehnsüchtig erwartet. Weihnachten z.B., weil man ja gespannt ist, ob die bestellten Geschenke auch unterm Baum liegen. Ostern auch. Vielleicht aber mehr deshalb, weil die Fastenzeit dann endlich zu Ende ist. Außerdem natürlich der Geburtstag. Doch was ist mit Pfingsten? Immerhin der Geburtstag der Kirche. Aber auf was freut man sich da? Nach der Himmelfahrt Jesu warten seine Freunde und Verwandten auf das, was da kommen wird. Wie lange sie warten müssen, wussten sie überhaupt nicht. Aber sie beteten und blieben zusammen. Auch wie genau dieser Beistand, den Jesus versprochen hatte, nun aussehen würde, wussten sie ebenfalls nicht. Um genau diese Situation geht es in den Lesungen an diesem Sonntag.

In der Erwartung dessen, was da kommen wird, „verharren sie einmütig“ im Gebet. Das klingt in unseren Ohren vielleicht ein wenig zu fromm. Eines bringt diese Formulierung aber klar zum Ausdruck: es herrschen weder Zweifel, Hoffnungslosig-keit oder Trauer. Die Gruppe, die beisammen ist, harrt in freudiger Erwartung des Beistandes von oben.
Der entscheidende Grund dafür ist, dass sie jetzt Jesus wirklich verstanden haben, sein Wort ganz tief in ihnen angekommen ist. Im Evangelium spricht Jesus davon in seiner sogenannten Abschiedsrede, die bei Johannes im Abendmahlssaal stattfindet. Es wäre allerdings zu eng betrachtet, würden wir nur an den Kreis um Jesus herum denken. Auch wir sind gemeint. Auch zu uns, über uns spricht Jesus. „Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern für alle, die durch ihr Wort an mich glauben“, heißt es etwas später in dieser Rede. Durch das Wort der Apostel und deren mittlerweile zahlreichen Nachfolger glauben auch wir. Ihnen wurde das Wort gegeben und sie haben es angenommen. Auch wir sind zu dem Glauben gekommen, dass der Vater den Sohn in diese Welt gesandt hat.
Zu den Geheimnissen der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten gehört der Glaube, dass Jesus Christus bei seinem Kommen in die Welt den Vater nicht verlassen hat und bei seiner Himmelfahrt die Jünger nicht allein ließ. Aus dieser Zuversicht heraus verharren auch wir einmütig im Gebet. Jeder für sich, und doch alle gemeinsam. Nicht ohne Grund sind die Namen der Apostel an dieser Stelle der Apostelgeschichte nochmals aufgelistet. In diese Gebetsgemeinschaft kann sich gedanklich jeder mit seinem eigenen Namen eintragen.
Erwarten wir also voll Freude das Kommen des Heiligen Geistes. Nicht nur an Pfingsten, sondern immer dann, wenn wir an die Gegenwart Gottes in uns und an unsere Gegenwart in Gott, ganz bewusst glauben.

U. Birkner

Wenn sie diese Gedanken zum Evangelium auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken Evangelium am 7. Sonntag der Osterzeit (3 MB)

Gedanken zum Evangelium vom 5. Ostersonntag

- So leb dein Leben – (Johannes 14,1-12)

„Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben“,so lässt der Evangelist Johannes Jesus sagen.

„Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben.“

Und seitdem – seit nun fast 2000 Jahren – meinen so manche, auch in unseren Kirchen, zu wissen, was der richtige Weg,was die Wahrheit im Glauben ist und wie das Leben richtig zu leben ist.

Und es stimmt ja auch, wenn ich von einer Sache, einem Glauben, einer Hoffnung fest überzeugt bin, dann sage ich:
Das ist DER Weg –
Das ist DIE Wahrheit –
Das ist DAS Leben!

Anders geht es auch nicht in einer Freundschaft und in der Liebe zu Menschen, auch da sagen wir:
DER oder DIE ist es –
der oder die und keine andere / kein anderer.

Was uns aber immer mal wieder so unsicher sein oder werden lässt, ist dieses „nicht-absolut-und-genau-Wissen“,
auch unseres Glaubens.

Ich kann dieser Zusage Jesu mein persönliches Vertrauen schenken oder auch nicht!
Letzt-gültige nachweisbare Begründungen und Beweise kann mir keiner liefern, ob es die richtige Entscheidung ist, dem Weg und der Stimme Jesu zu folgen.
Und da kann es eine Zeit lang für manche Menschen eine bohrende Frage sein und bleiben, was der richtige Weg ist. Das kann sogar zur Qual werden, besonders dann, wenn wir nicht genau wissen, wohin der Weg in meinem Leben, im Leben als Glaubensgemeinschaft, als Paar, als Familie, als junger oder älterer Mensch, im Beruf, in einer körperlichen oder seelischen Erkrankung geht.

Manche Antworten bleiben aus, können hohl oder sogar verletzend wirken. Gerade auch frömmelnde Antworten und Verhaltensweisen können da mehr verletzen als das sie heilend wirken. - Eine solche Situation lässt sich mit einer Fahrt in einem rasenden Zug in einen Tunnel hinein oder durch einen Tunnel hindurch vergleichen. Der Zug wird immer schneller und das Ende des Tunnels ist oft nicht in Sicht.
In einer solchen Situation kann sich Panik ausbreiten.

Es gibt Zeiten – Tage – Wochen – Monate oder sogar Jahre im Leben, die einer solchen Fahrt im Dunkeln oder ins Dunkle, ins Ungewisse hinein gleichen können.

In genau einer solchen bedrohenden Situation stecken die Jünger von denen in den sogenannten Abschiedsreden Jesu die Rede ist.
Und in diese Situation hinein spricht Jesus den Jüngern Mut, Hoffnung und Kraft zu:  „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt   an mich! … Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Die Verfasser des Evangeliums haben aber einen Vorteil:  Sie schreiben ihre Worte nach der Erfahrung von Tod und Auferstehung Jesu. Sie schreiben ihre Worte mit der bereits gemachten Erfahrung, dass das Licht am Ende des Tunnels gekommen war. Und selbst in der Zeit der Entstehung des Evangeliums kamen in der jungen Christengemeinde schon wieder Zweifel auf.
Wir sollten also sehr vorsichtig sein, irgendwelche Mut-Mach-Parolen von uns zu gebe, wenn jemand Mitten im Mist des Lebens, mitten im Tunnel steckt oder gerade darauf zu rast.

Da hilft dann vielleicht eher das Wort:
Ich kann deine Situation sehr gut verstehen, aber nicht ändern
und auch nicht aufhalten, aber ich bin mit Dir – ich bin bei dir!
Vielleicht meint das Jesus mit seinem Zuspruch
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“

Jesu fast schon flehender und eindringlicher Aufruf ist und bleibt bis heute: Glaubt mir doch! Ihr seid nicht von “Gott und aller Welt verlassen“, ich bin mit Euch auf dem Weg, auch und gerade dann, wenn es so ganz anders aussieht.
Auch in der tiefsten Trostlosigkeit und selbst in den Tod hinein gehe ich mit Euch!

In allen Widersprüchlichkeiten – auch gerade in diesen Zeiten der Pandemie -, allen Fragen und verschiedenen Antwort- und Lösungs-Versuchen, allen Fort- und Rückschritten, allen Bedrohungen und Sorgen, geht dieser in Jesus Mensch gewordene Gott mit.
Er spricht zu Ihnen und Euch, zu Dir und zu mir – gerade auch durch vertraute Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter:
Ich kann das alles nicht verhindern, aber ich bin bei dir, ich gehe mit dir.
Und genau auf diese Weise bin ich bei und mit dir
der Weg, die Wahrheit und das Leben,
weil es dein Weg, deine Wahrheit und dein Leben ist!

Und wenn ich dann am Ende des Tunnels, am Ende des Tunnels im Leben, am Ende meines Lebens-Weges angekommen bin im Licht, möchte ich sagen oder singen können: So war mein Leben, so war meine Wahrheit, so war mein Weg.
So war mein Weg mit den mir anvertrauten Menschen,
mit Gott!
Das DU das sagen kannst,  SO leb DEIN Leben.
Dann lebst Du Dein Leben mit Gott,
dann ist ER DIR Weg, Wahrheit und Leben.

Wenn Sie mögen, wenn Du magst, dann  sind Sie / bist Du nun noch eingeladen, das Lied „So leb dein Leben“ anzuhören oder den Text zu lesen.



Es gibt dieses Lied in verschiedenen Versionen. Ursprünglich war es ein französisches Chanson mit dem Titel „Comme d´habitude“ und wurde besonders bekannt durch die englische Version „My way“, gesungen von Frank Sinatra. Es folgt hier ein Text in einer deutschen Version von Mary:

So Leb dein Leben   (Mary)

Mein Freund, einmal da fällt doch auch für dich der letzte Vorhang
Du gehst von dieser Welt und dann kommst du an jenem Tor an
Du weißt dein Lebensweg war manchmal krumm und manchmal eben
Dass du dann grad steh`n kannst, so leb dein Leben
Dass du dann sagen kannst, ich hab getan, was manchmal sein muss
Ich hab geliebt, getanzt, es ist nicht viel, was ich bereuen muss
Ich nahm, was mein war,  doch ich hielt die Hand auf auch zum geben
Dass du das sagen kannst, so leb dein Leben
Ich weiß, es gab so manches Mal nach einem Hoch manch tiefes Tal
Ich hab so oft umsonst gehofft, ich hab's gefühlt und doch verspielt
Hab' viel gefragt und doch versagt, so war mein Leben
Ich hab auf Sand gebaut und nicht durchschaut, was zu durchschau'n war
Ich hab dafür bezahlt und noch geprahlt, wenn ich schon down war
Und heut' schau ich zurück ob man's verzeihn kann und vergeben
Dass du das sagen kannst, so leb dein Leben
Denn was wär ein Mensch, der keiner ist, der nicht als Mensch er selber ist
Der niemals weint, der niemals lacht, der niemals lügt nie Fehler macht
Der nie gesteht es ist zu spät
So war mein Leben. So war mein Leben.

Wenn sie diese Gedanken zum Evangelium auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: (Predigt 5. Ostersonntag, 3 MB)

Gedanken zum Evangelium des 6. Ostersonntags

„Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben“ (Joh 14, 16a)

Wir haben nun schon den 6. Sonntag nach Ostern. Das nächste große kirchliche Fest nähert sich: Pfingsten. Auch in den Texten dieses Sonntags geht es immer mehr auf das Pfingstfest zu. Das Geschenk des Heiligen Geistes wird angekündigt. Jeder von uns weiß, wie schwer es ist, diesen Heiligen Geist zu greifen, zu begreifen und wieviel schwerer es ist, von seinem Wirken zu erzählen. Wenn ich mit Kindern darüber spreche, assoziieren diese sehr schnell Geister, Gespenster und auch Erschrecken damit.

Da ist es gut, das Wort Gottes, die Worte Jesu, über diese Kraft des Heiligen Geistes, genau zu lesen und mit den eigenen Erfahrungen zu vergleichen. Im heutigen Evangelium erläutert uns Jesus, wer oder was das ist, dieser Heilige Geist.

Vier kurze Passagen möchte ich herausgreifen, die mich mit dieser Kraft in Verbindung bringen:

1) Jesus bittet den Vater, uns einen anderen Beistand als ihn zu geben. Er muss in den Himmel zum Vater zurückgehen, aber lässt uns nicht allein.


Der Heilige Geist ist die Kraft in unserem Leben, die uns weiter, auch nach seiner Himmelfahrt, mit Jesus verbindet. Sie ist bei uns, hier in dieser Welt, wir sind nicht allein. Welch ein Trost, gerade in diesen Coronazeiten, wo wir uns oft allein fühlen, weil Kontaktsperre und Abstandhalten viele von uns einsam machen. Nein, wir sind nicht allein. Darauf dürfen wir vertrauen.

2) Jesus bezeichnet diesen Geist als den Geist der Wahrheit.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich frage mich zurzeit immer wieder: Was ist denn jetzt die Wahrheit, was ist das Richtige? Was möchte Gott in dieser speziellen Zeit von mir, von uns als Kirche, von uns als Gesellschaft? Was ist die Wahrheit? Ich persönlich schaue durch die verschiedenen Standpunkte und Meinungen, die mich hin- und herziehen und manchmal auch zerreißen, nicht mehr durch. Da ist das Wissen um diesen Geist der Wahrheit für mich ganz wichtig und das Vertrauen, dass durch diese Kraft letztlich im großen Ganzen das passieren wird, was Gott von uns möchte. Dieses Vertrauen, welches letztlich in der Person Jesu verortet ist (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben Joh 14,6) wird uns durch die Kraft des Heiligen Geistes gegeben.

3) Jesus sagt als nächstes, dass diese Kraft, dieser Beistand in uns sein wird, wenn wir an ihn glauben.

Schon so manches Mal habe ich diese Kraft in mir gespürt. Wenn ich nicht mehr weiter wusste und im Gebet um einen Weg gerungen habe. Plötzlich, in die Stille hinein, bekam ich einen Gedanken, der mir den Weg zeigte. Das ist nur schwer zu erklären. Ich fühlte auf einmal, dass es einen Ausweg gibt und wie dieser aussehen könnte. Aber dafür musste ich mich Gott zuwenden, still werden und nach innen gehen. Dann galt es noch, mich dafür auch zu öffnen und anzunehmen, denn jede Entscheidung liegt in unserer Freiheit, aber sein Geist zeigt uns Gottes Weg oder gibt uns eine Ahnung, was gut ist.

4) Jesus sagt uns zu: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.

Diese Kraft in uns verbindet uns untrennbar mit Jesus und damit auch mit seinem Vater. Wir sind eins mit und in ihm.
Vertrauen wir darauf. Jesus hat uns nicht allein gelassen. Öffnen wir auf Pfingsten hin immer mehr unser Herz und wir werden spüren: Wir gehen die Wege unseres Lebens nicht allein. ER geht mit.

Es grüßt Sie herzlich,

ihre Sabine Jasperneite

Gedanken zum Evangelium des 4. Ostersonntages

...und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“ (Joh 10, 2-4)

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“ (Joh 10, 2-4)

"Jesus, der gute Hirte"

Ein kleines Schaf aus Bügelperlen liegt seit einigen Wochen auf der Tastatur meines Computers. Wilhelm hat es mir geschenkt – er gehört zur Gruppe von Kindern, die ich in der Brüder-Grimm-Schule in Eslohe auf ihrem Weg zur Erstkommunion begleite. Er lebt mit seiner Familie auf einem Bauernhof und ist schon mit 9 Jahren begeisterter Schafzüchter. Jeden Mittwoch bis zur Corona-Zwangspause der Schulen schilderte er die Erlebnisse mit den Tieren: die Geburten der Lämmer, ihre Krankheiten und so manche weitere Erfahrung. Mir imponiert seine Tierliebe und seine Sorge sehr. Eigentlich hatten wir die Absicht, ihn mit der gesamten Klasse zu Hause zu besuchen, um uns an einem „Original-Schauplatz“ mit Jesus, dem guten Hirten, zu beschäftigen, dem Evangelium vom 4. Ostersonntag. Ich hoffe, wir können es nachholen. 

"Sind sie für uns die guten Hirten und Hirtinnen in dieser Zeit?"
Aktuell kümmern sich viele Verantwortungsträger/innen um die Gesundheitslage in unserem Land und die daraus resultierenden Probleme. Die allermeisten werden ihren Dienst mit großer Sorge und Verlässlichkeit ausüben. Vertrauen wir ihnen, wie eingangs in den Versen aus dem Johannes-Evangelium beschrieben? Sind sie für uns die guten Hirten und Hirtinnen in dieser Zeit? Sind auch wir füreinander da in unseren Lebensbezügen – mit echter Sorge und aufmerksamer Liebe. Es gibt viele überzeugende Beispiele, aber wir spüren auch, dass je länger die Wochen der Krise andauern, umso mehr zehren die Auswirkungen an unseren Kräften und Nerven. Die Sehnsucht nach Normalität wächst. Dem stellen sich auch die „Hirten der Kirche“ und versuchen unter größtmöglichen Sicherheitsauflagen wieder die Mitfeier von Gottesdiensten zu ermöglichen – auch in unserem Erzbistum … in unserem Pastoralverbund. Sicher ist die Eucharistie der Weideplatz, auf dem wir dem guten Hirten Jesus Christus begegnen, aber wo bleibt daneben ein kreativer Einsatz für neue menschennahe Verkündigungswege oder die Unterstützung der örtlichen Caritaskonferenzen mit ihren Bemühungen, Nächstenliebe mit Hand und Herz umzusetzen. Wie können wir heute – in den Ängsten dieser Zeit – die Stimme des Guten Hirten hören, der uns ein Leben in Fülle verheißt?

"Beten um ein vertrauenvolles Klima in unseren Gemeinden"

Heute am Weltgebetstag um geistliche Berufungen, bete ich um ein vertrauensvolles Klima in unseren Gemeinden, das geprägt ist von gegenseitiger Fürsorge und Solidarität. Das ist ein guter Boden für Männer und Frauen, ihre Hirtenrolle in der Nachfolge Jesu an den unterschiedlichsten Weideplätzen zu entdecken.

Ihre Bernadette Klens

Wenn sie diese Gedanken zum Evangelium auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt 4. Ostersonntag (3 MB)

Geedanken zum Evangelium vom 3. Ostersonnntag

"Sie wussten noch nicht, dass es Jesus war" (Joh 21,1-14)

Was nach dem Karfreitag Jesu geschah, wird in den Evangelien lebhaft erzählt  -  wie in diesem Text am Ende des Johannesevangeliums.

Nach der Erfahrung des Todes Jesu machten einige seiner Jünger das, was sie immer machten  -  sie fischen   -   und fangen nichts. Gar nichts. Das passte zur Frustration nach dem Tod Jesu. Nachdem aber einer ihnen gesagt hatte: Werft das Netz noch einmal aus und ihr werdet etwas fangen! war ihr Frust verflogen. Dieser Aufruf kam von einem, den sie nicht erkannten.

„Sie wussten noch nicht, dass es Jesus war.“  heißt es in der Erzählung ganz einfach.

Ich bleibe bei diesem Satz hängen. Sie wussten noch nicht, dass es Jesus war, der sie aufforderte: Probiert es noch einmal!

Obwohl sie nicht wussten, wer es war, der sie ermunterte und ermutigte, taten sie das scheinbar Sinnlose. Was soll`s?  -   werden sie sich gesagt haben. Kann ja nicht schaden! Fahren wir auf den See.

Die Ermunterung und Ermutigung war angekommen. Der, den sie nicht erkannten, hat sehr überzeugend gesprochen.
Der unerwartete Auftritt dieses Menschen, musste etwas aus-gesandt haben, dass die Jünger trotz aller Frustration hat handeln lassen.

Schließlich stellte sich heraus, wer dieser Mensch war. Es ist der Herr, sagte der Jünger, den Jesus liebte. Er erkannte ihn zuerst.

Der Herr tat dann das, was er vor der Kreuzigung auch ge-macht hatte: Er teilt Fisch und Brot. Er gibt. Er lädt ein zum Mahl: Kommt her und esst!

Jetzt wussten alle, dass es der Herr war, dass es Jesus war  -  ganz anders, ganz neu und doch vertraut durch Worte und Taten  -   so wie vor der Kreuzigung. Vertrauen war wieder da. Vergangene Erfahrungen reichten hinein in die Gegen-wart. Er nahm und er nimmt das Brot, er gab und gibt es ihnen. Ja, der Herr ist unter uns. Wir wissen nun, dass es der Herr ist.
---   So die damalige Erfahrung der Gemeinde des Johannesevangeliums.

Ich möchte noch einmal zurück zu dem Satz: „Sie wussten noch nicht, dass es Jesus war“.

Zuweilen denke ich, dass ich auch nicht wusste, dass es Je-sus, der Herr, war…

  • als mir jemand ein ermutigendes Wort gesagt hat und ich noch einmal versucht habe, etwas von der Hoffnung zu erzählen, die uns mit Jesu Handeln bereitet worden ist.
  • Ich wusste nicht, dass es Jesus war, als Menschen ein-fach miteinander teilten: die Lebensmittel, die Kranken-hausbetten, die Schutzmasken.
  • Ich wusste nicht, dass es Jesus war, als ich eingeladen worden bin oder einladen durfte an einen gedeckten Tisch und wohlwollende, suchende und zukunftweisende Worte gesprochen wurden.
  • Ich wusste nicht, dass es Jesus war, als mich ein Blick getroffen hat, der mir sagte: du bist liebenswürdig.
  • Ich wusste nicht, dass es Jesus war, als ich in einer Problemsituation nicht allein gelassen worden bin und einfach Mitmenschen da waren, mit denen das Problem gemeinsam gelöst werden konnte.

Ich darf mit diesem Evangelium bekennen: Ich weiß jetzt, dass es der Herr war, der Geist Jesu  -  in diesen Mitmen-schen.

Es sind  -  so glaube ich  -  Erfahrungen, in denen Jesus dabei ist und ich oder wir es einfach in dem Augenblick nicht ahnen. Rückblickend glaube ich: Es war der Herr. Es ist der Herr un-ter uns.

Da ist er unter uns. Er ist da. Auch wenn wir seine Auferste-hung zurzeit nicht gemeinsam am Tisch des Altares feiern können, so sollten wir uns durch dieses Evangelium sagen las-sen:

Der Herr ist da, wenn Menschen in der Krise einander helfen, aufeinander achten, sich Ansehen schenken und Probleme gemeinsam lösen wollen  -  ohne egoistische oder ideologi-sche Einzel-Interessen.

Noch anders gesagt: Gegenwart Jesu gibt es unter uns Men-schen  -  im Gottesdienst und Menschendienst. Der Menschendienst aber hat in Jesu Leben immer Priorität gehabt!

Im Gebet- und Gesangbuch Gotteslob gibt es unter Nummer 442 einen Liedtext, der diesen Glauben an die Auferstehung Jesu unter uns lobt  -  ein Jahrhunderte alter Text, der mir Mut macht, auch in einer Krise zu erfahren: Da ist der Herr. Da ist er bei uns  -  wo die Güte und die Liebe wohnt.

Refrain:
Wo die Güte und die Liebe wohnt,
dort nur wohnt der Herr.

1) Wie ein Ring umschließt uns alle Christi Liebe.
Lasst uns jauchzen und mit Schalle ihm frohlocken.
Dem lebendgen Gott mit Zagen lasst uns nahen
und die Last des Andern tragen guten Herzens.    R

2) Da wir nun in einer Liebe uns vereinen:
Dass kein Hass die Eintracht trübe, lasst uns wachen.
Streit und Zwietracht, böses Sinnen sei uns ferne;
in uns wohne mitteninne Christ, der Herre.   R

3) Bis wir einst, wie wir vertrauen, mit den Selgen
Christi Antlitz werden schauen, herrlich strahlend.
Freude wird uns Gott bereiten unermesslich
durch des Lebens Ewigkeiten ohne Ende.   R

Ihr Georg Schröder, Pfr.

Wenn sie die Predigt auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt 3. Ostersonntag (2,9 MB)


Gedanken zum Evangelium des 2. Ostersonntages

„Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,30–31)

Die meisten Menschen nehmen im heutigen Evangelium vor allem den (zu Unrecht) als „ungläubig" titulierten Thomas wahr. Doch steckt in dem Abschnitt aus dem Johannesevangelium wesentlich mehr.

Aus „vor Angst verschlossenen Türen“ erzählt das Evangelium zu Beginn - da gibt es in diesen Tagen auch so einige von. Auch die Jünger ließen die Türen, nach der Katastrophe des Kreuzestodes ihres Herrn und Meisters, verschlossen. Und man hat den Eindruck, dass gerade das Verschließen der Türen bewirkt, dass Jesus in ihrer Mitte erscheint – zweimal. Die Begegnung mit Jesus gelingt offenbar besonders dann, wenn die Türen zu sind. Es passt zur Aussage Jesu über das Beten: „Wenn du betest, geh in deine Kammer und schließ die Tür zu.“

„Friede“ heißt auf Hebräisch „Schalom“ und ist das übliche Grußwort. Dreimal sagt Jesus diesen Gruß. Dadurch wirkt er auf mich intensiver, eindringlicher. Dass es zurzeit um uns herum „friedlicher“ zugeht, lässt uns noch lange nicht Frieden spüren. Viele verfallen wegen wegfallender Termine und Veranstaltungen in Aktionismus. Es wird über Nachholtermine nachgedacht, telefoniert, geschrieben, um sich schnell ein neues Datum zu sichern, von dem keiner sagen kann, ob dann wieder alles „beim Alten“ ist. Innen kehrt bei vielen längst kein Friede ein. Man muss ihn sich (von Gott) zusprechen lassen und in sich aufnehmen.

„Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ - Natürlich glaubte Thomas. Er hat ja den Herrn gesehen. Vorher blieb er skeptisch. Seine Freunde sagten ja „nur“: Wir haben den Herrn gesehen. Nicht: Jesus ist auferstanden. Thomas mag sich gefragt haben: Wer weiß, wen oder was die da gesehen haben. Also bitte – die Hände und die Seite sehen, dann glaube ich. Jesus fordert ihn bei ihrer Begegnung auf seine Hände und seine Seite zu berühren, doch ob Thomas es auch tut, steht da nicht. Ist auch egal. Viel wichtiger ist das „Glaubensbekenntnis“, das er spricht: Mein Herr und mein Gott. Dass wir Gott (oder auch einen Menschen) nicht von Angesicht zu Angesicht sehen müssen, um ihn lieben zu können, schreibt auch Petrus in seinem ersten Brief: „Ihn (Christus) habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn“ (1 Petr 1,8). Vielleicht merken wir in diesen Tagen durch das Kontaktverbot bewusster, wem (allen) unser Liebe gehört.

„Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus“ (Messbuch S. 548) – mit ihm, aber auch allen anderen, die wir (zurzeit) nicht sehen können.

Ihr Ullrich Birkner

Gedanken zum Osterevangelium

Der Gang nach Emmaus (Lukas 24,13-35)

Das sogenannte Emmaus - Evangelium mit den beiden Jüngern, die enttäuscht auf dem Weg sind – Jesus , der mit ihnen geht, ohne dass sie es merken – Und schließlich erkennen sie ihn beim Brotbrechen – Da gingen ihnen die Augen auf – sie erkannten ihn – und da war er auch schon wieder weg.

Was war passiert: Die beiden Jünger machten sich restlos enttäuscht auf den Weg nach Hause, dorthin wo sie wieder der normale Alltag erwarten wird, vielleicht sogar dumme und hämische Kommentare, weil sie diesem Jesus geglaubt hatten und ihm gefolgt waren.

„Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte“ so heißt es im Evangelium. Sie unterhalten sich über ihre Sorgen und Gedanken, sicherlich über das, was sie an Schönem und an Schwerem erlebt hatten, über die guten und stärkenden Begegnungen und Worte, über das schreckliche Erleben-Müssen der Hilflosigkeit und der eigenen Angst und vielleicht auch sogar Feigheit bei der Verurteilung und Kreuzigung dieses Jesus. Die beiden unterhalten sich nicht über den neuesten Tratsch und Klatsch, wobei das wohl in diesen Tagen auch zum Klatsch und Tratsch gehört haben wird, was da passiert war.

Sie tauschen sich aus über manche Risse, Stiche und Schnitte in ihrem Leben, über die Stiche die ihnen durchs Herz gegangen sind als ihr Vorbild, Freund und Weggefährte schreiend und blutend am Kreuz hing. Und schließlich auch noch diese unfassbare Nachricht, dass das Grab leer ist und niemand weiß, wo er nun ist. Und während sie genau das tun ist Jesus bei ihnen und geht mit ihnen, aber sie merken es noch nicht.

Geht es uns nicht manchmal im Leben genauso:

Hilflosigkeit im Angesicht von Not und Elend in der weiten Welt, aber auch und gerade in unseren eigenen Kreisen, in unseren Familien, im Ort, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, Stiche von ehemaligen Weggefährten, die sich durch Tratsch und Klatsch oder durch andere Lebensumstände – selbst verschuldete oder unverschuldete - von uns gewandt haben. Risse in unserer eigenen Lebens – und Liebesgeschichte, die einfach nur weh tun – Aus einer Liebe „für immer“ wurde der oder die „Ex“. Ein geliebter Mensch stirbt – aus und vorbei.

Risse, die manchmal bis zur Ohnmacht schmerzen. Die letzte Hoffnung gestorben –  wo es doch heißt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Und dann manchmal diese kaum auszuhaltenden Vertröstungen- auch diese manchmal unerträglichen frömmelnden Floskeln, die von einem Gott reden,  der alles gut macht  -  und das das alles doch schon seinen Sinn hat. - Vieles gut gemeint – aber manchmal noch mehr schmerzend als heilend

Vieles aus Hilflosigkeit und Ohnmacht geredet - manches aus eigener Erfahrung heraus im besten Sinn gesprochen

Was wurde und wird da nicht gerade auch in diesen Wochen der Corona-Pandemie – auch innerkirchlich - alles geschrieben, gesagt und getan, oft aus purer Hilflosigkeit heraus -  so manches auch sehr hilfreich, begleitend und unterstützend, manches aber auch aus einer Art Selbstbespiegelung heraus, die nicht ertragen kann, mal anders gebraucht zu sein als gewohnt -  oder auch mal nicht gebraucht zu sein. - So mancher hat da in diesen Wochen schon sein wahres Ich gezeigt und sei es nur im Horten von was auch immer….

Aber auch da stecken ja auch oft Ängste, Sorgen und Erfahrungen hinter…

Und nun?! Was macht der auferstandene Jesus als Wegbegleiter der Jünger von damals? Was macht der auferstandene Jesus heute, als unser Wegbegleiter?

Er HÖRT erstmal einfach zu! Wie schwer fällt uns das heute! Einfach erstmal ZUHÖREN! Er lässt sich erzählen, was denn die Jünger erfahren haben. Er lässt sich die Narben zeigen, die sie an und in sich tragen!

Und DANN erklärt er ihnen, dass alles Okay werden wird – ERST DANN! Und nicht im Sinne von „Heile- Heile Gänschen – es wird schon alles wieder gut“ sondern durchaus im Sinne von: So ist das Leben – manches muss passieren, weil es passiert. Unser Leben ist und bleibt zerbrechlich – Und in Bezug auf Jesus: Es wird immer Menschen geben, die es  nicht ertragen können, dass die Macht der Liebe stärker ist als alle Mächte der Welt. Es wird immer Menschen geben, die lieber andere ans Kreuz schlagen als von ihrer Macht abzugeben. „Musste nicht der Messias all das erleiden“ so lässt der Evangelist Jesus sagen!

Sollen wir das jetzt auch so auf uns und unsere Situation übertragen, nach dem Motto: „Dann müssen wir das jetzt alles eben erleiden“?!

Ja – und Nein

Es gibt selbst produziertes und von anderen produziertes Leid, das absolut nicht sein müsste. Es gibt Leid, auf das wir KEINE Antwort finden!

Es gibt – und es wird sie immer wieder geben – Situationen, Ereignisse, Verletzungen – in unserem Leben, die wir erleiden müssen,  dazu gehört unweigerlich der TOD, unser aller Tod!

ABER  Wir sind nicht allein – wir sind begleitet – selbst im Tod - und durch den Tod hindurch

UND davon abgesehenMögen wir im Leben immer wieder neu die Erfahrung machen dürfen, dass alle Gewitter des Lebens niemals für ewig sind und es auch nicht immer

regnen kann

Dass alle Narben an und in uns, - auch aller Dreck auf meiner Haut  - eben alles, was wir an Narben an und in uns tragen DICH  und MICH ausmacht. Unser Wissen und unsere Hoffnung ist und bleibt: Unsere Narben sind ein Leben lang zu sehen – Doch irgendwann tut´s nicht mehr weh. Dann ist es wieder Okay.

Dann geschieht Auferstehung in Meinem und Deinem Leben

Das ist meine Hoffnung und mein Wunsch für Sie und Euch, für Dich und für mich selbst, nicht nur an Ostern, sondern ein Leben lang! Dann ist es wieder okay, wieder okay!

Ignatius Möncks

Dazu der Liedtext: "Alles Okay"  von  Johannes Oerding

Aus den Augen verlor'n Denn diese Zeit rennt vor uns weg Die letzte Hoffnung gestorben Aus 'nem Für immer wurd' Ex

Der falsche Job, keine Luft Die ersten Songs will keiner hör'n Ein blaues Auge im Suff Die großen Ziele war'n so weit weit entfernt

Das alles tat weh -Und nichts war okay Manchmal gibt es Risse, Stiche und Schnitte Doch Gras wächst schneller als man denkt

Unsere Narben sind 'n Leben lang zu seh'n Doch irgendwann tut's nicht mehr weh Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay

Die Gewitter folgen uns niemals für ewig Und immer regnen kann es eh nicht Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay -Alles okay

Diese Welt spielt verrückt -Die Schlagzeilen nur voller Hass Zu viele Schritte zurück - Sprung über'n Schatten verpasst

Und manchmal glaube ich echt Wir haben das Lieben verlernt Und warum schau'n wir nur weg Und haben uns wieder mal so weit weit entfernt

Das alles tut weh - Und nichts ist okay Manchmal gibt es Risse, Stiche und Schnitte Doch Gras wächst schneller als man denkt

Unsere Narben sind 'n Leben lang zu seh'n Doch irgendwann tut's nicht mehr weh Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay

Die Gewitter folgen uns niemals für ewig Und immer regnen kann es eh nicht Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay -Alles okay

Und dieser Dreck auf meiner Haut Ist mir endlich so vertraut Denn diese Spuren und Konturen Die machen mich aus

Unsere Narben sind 'n Leben lang zu seh'n Doch irgendwann tut's nicht mehr weh Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay

Unsere Narben sind 'n Leben lang zu seh'n Doch irgendwann tut's nicht mehr weh Dann ist es wieder okay, wieder okay Schon wieder okay Alles okay

Das ist meine Hoffnung und mein Wunsch für Sie und Euch, für Dich und für mich selbst, jetzt und heute an Ostern - und ein Leben lang. Das wir sagen dürfen – und wenn es am Ende unseres Lebensweges ist: Es ist wieder okay!

Wenn sie die Predigt auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt zu Ostern (MP3, 3,8 MB)

Impuls zum Karfreitag

Gedanken zur Aktualität des Kreuzweges Jesus

Sie gehören zur Sauerländer Landschaft dazu - meist führen sie einen Berg hinauf - aber natürlich finden wir sie auch in unseren Kirchen und Kapellen:  die Nachbildungen des letzten Weges Jesu. Manchmal verwittert, manchmal alte restaurierte Darstellungen oder Skulpturen der neueren Zeit. Zum Teil sind auch die sogenannten „Sieben Fußfälle Jesu“ zu sehen, die noch älteren Ursprungs sind. Es handelt sich bei beiden um die Bemühung, den Kreuzweg Jesu nachzuzeichnen und nachzuempfinden. Die einzelnen Stationen haben biblischen Hintergrund oder entspringen der Volksfrömmigkeit,  wie z. B. die  Begegnung Jesu mit Veronika.

Die Schar der Beter und Beterinnen, die diese Wege gehen und betend betrachten, ist im Laufe der Jahre nicht größer geworden – auch nicht in unseren Sauerländer Gemeinden. Es ist und bleibt eine große menschliche Herausforderung, auf jemanden zu schauen, der bewusst einen Leidensweg geht, an dessen Ende der Tod am Kreuz steht. In diesem Jahr ist es nicht möglich, sich insbesondere am heutigen Karfreitag in Gruppen auf den Weg zu machen. Vielleicht ziehen Bilder von bekannten Darstellungen in unserer Nähe an unserem inneren Auge vorbei. Denn für mich bekommen die Stationen eine ganz neue Aktualität:

Das Hinfallen - Aufstehen - Weitergehen von Jesus nimmt die Existenzsorgen der Menschen auf. Wie tief werden Familien, kleinere und größere Betriebe fallen, und wenn sie jetzt mit einigen Finanzspritzen versehen weitermachen, auf was gehen sie zu? Natürlich gibt es auch den Simon, der Tragen hilft, die Veronika, die achtsam das tut, was im Moment Not lindert. Es rührt an, wie viel Solidarität angesichts der Corona-Pandemie möglich ist – quer durch alle Generationen. Angesichts der Stationen, die an die  Begegnung mit Maria und auch den weinenden Frauen erinnern,  fällt es mir ungeheuer schwer, die harte, grausame Realität der Bilder von Italien an mich heranzulassen oder an die Angehörigen zu denken, die weltweit ihre Toten ohne Verabschiedung und gewohnte Begräbnisriten loslassen müssen. Durch alle Bevölkerungsschichten hindurch spüren wir, wie wir unserer Sicherheiten beraubt werden. Was wird durch die Krise hindurch tragen in unserem Land, in Europa und darüber hinaus? Ein kleiner Virus nagelt uns fest, kaum erforscht, führt er zu Schmerz und Tod. Und dennoch beten wir an den Stationen, auch an der zwölften, an der wir auf den Tod von Jesus schauen: „Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst!“ Ein Ruf, der bei Menschen unterschiedliches auslöst: ein Gefühl der Zumutung, Ablehnung oder auch der Sehnsucht oder des Vertrauens. Doch dieser alte Satz fasst das Geheimnis unseres Glaubens zusammen: Der Tod ist nur eine Grenze, nicht das Ende. In dem was, danach kommt, sind wir aufgehoben in der grenzenlosen Liebe dessen, der am Kreuz die Arme für uns ausgebreitet hat. Evelyn Finger schreibt in der neuesten Ausgabe der Zeit: „Es hilft, jetzt auf den Karfreitag zu schauen, denn da geht Jesus durch den Tod ins Leben. Sein Beispiel lehrt nicht nur Ergebung in den Tod(„Dein Wille geschehe“) sondern das Vertrauen: das der Tod nicht das Letzte ist und das es zur Freiheit jedes Menschen gehört, sich ihm zu stellen – so wie die Ärzte und Seelsorger, die jetzt bei den Infizierten bleiben. Nicht weil sie lebensmüde sind, sondern weil sie der Todesangst etwas Altes entgegensetzen, die Bibel nennt es: Glaube, Liebe, Hoffnung.“ Heute am Karfreitag, wünsche ich ihnen, dass Sie ein wenig Zeit haben, sich diesen Gedanken zu stellen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie entdecken, dass die Kreuzweg-Stationen nicht Stationen der Aus-weg-losigkeit sind, sondern Stationen der Be-weg-ung, die Nachdenken, Vertrauen, Solidarität und damit Glauben wachsen lassen.

Bernadette Klens, Karfreitag 2020

Wenn sie die Predigt auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Impuls zum Karfreitag (m4a., 2 MB)

GEDANKEN ZUM EVANGELIUM DES GRÜNDONNERTAGS

Das letzte Abendmahl / Das Vermächtnis Jesu (1. Korinther 11, 23-26 / Johannes 13, 1-15)

Jesus sagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“

Was für ein Auftrag! Wer schon mal die letzten Stunden am Bett eines Sterbenden verbracht hat, weiß was für heilige Stunden dies sein können. Unsagbar wertvoll ist diese letzte Zeit mit dem geliebten Menschen und jedes gesprochene Wort hat einen besonderen Stellenwert. Nichts ist in diesem Moment wichtiger. Jedes Wort zählt! Was möchte er mir noch sagen? Was möchte sie mir noch mit auf den Weg geben? Auch wenn sich die Jünger Jesu dessen nicht voll bewusst sind, befinden sie sich in einer ähnlichen Situation. Jesus sieht sein Sterben nahen und spricht seine Vermächtnisworte in der Runde seiner engsten Vertrauten. Seinen Jüngern sagt er, was ihm am wichtigsten ist, was bleiben soll. Er hofft darauf, dass sie dieses Erbe weitergeben werden. Und so ist es geschehen. Bis heute. Auch wenn wir uns zurzeit, Corona-bedingt, schmerzlicher Weise eine Zeit lang erstmals nicht zur Eucharistiefeier in der Kirche versammeln können, so sind diese Abendmahls-Worte Jesu der zentrale Moment in der Messfeier: „Nehmt und esst: das ist mein Leib. Nehmt und trinkt: das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Besonders wenn am Gründonnerstag im Hochgebet den Wandlungsworten hinzugefügt wird: „Und das ist heute“, macht es mir aufs Neue bewusst, dass es keine Geschichte, kein Märchen und keine reine Tradition ist, was wir in jeder Hl. Messe begehen. Sondern, dass Jesus, Gottes Sohn, wirklich als Mensch auf dieser Welt gelebt, gewirkt und gelitten hat. Aber wie können wir diese Worte, die er uns hinterlassen hat, wirklich verstehen? Was haben sie für eine Bedeutung für unser alltägliches Leben? Für uns sind viele Texte im Messablauf schon so bekannt, dass wir sie einfach hören und mitsprechen aber vielleicht schon gar nicht mehr merken, wie viel Kraft und persönliche Liebe in diesen Worten stecken. Mir geht es zumindest öfter so. Und in den Ohren von Kirchenfernen klingt das Gesprochene erst recht sehr befremdlich. Wenn Jesus vom Leib und Blut spricht, ist es hilfreich zu wissen was diese beiden Begriffe in der Sprache der Bibel bedeuten: Mit dem Wort Leib meint Jesus nicht nur den organischen Körper des Menschen, dem noch die Seele und der Geist fehlen (wie es die Vorstellung der alten Griechen entsprach). Sondern wenn Jesus vom Leib spricht, meint er den ganzen Menschen. Der Evangelist Johannes spricht noch drastischer vom Fleisch, statt vom Leib. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ Das heißt dann: Gott ist Mensch geworden und hat unser Leben als Mensch gelebt. Leib meint daher in der Sprache der Bibel das ganze Leben. „Nehmt, das ist mein Leib“ heißt dann also: „Ich schenke euch mein ganzes Leben.“ Jesu Leben vom ersten bis zum letzten Augenblick“, mit allem, was dieses Leben ganz konkret ausgemacht hat: Familie und Freunde, Arbeit und Mühen, Sorgen und Freude, Feier und Leiden, Hingabe und Verleumdung, Gespräche und Gebet. Er schenkt uns sein Leben und weiß daher, wie wir uns in jeder Lebenssituation fühlen. Und dann spricht Jesus noch von seinem Blut. Kann er denn überhaupt noch mehr geben als das ganze Leben? Auch hier hilft es zu schauen, was das Wort Blut in der biblischen Sprache ausdrückt. Blut ist für uns eigentlich nur ein Teil des menschlichen Körpers. Für das damalige Verständnis war das Blut der Sitz des Lebens. Das „Vergießen“ von Blut war dann in den Augen der Menschen ein Bild für den Tod. „Nehmt, das ist mein Blut“ klang dann in den Ohren der Jünger im Abendmahlsaal so wie: Ich gebe euch meinen Tod. Der Evangelist Johannes schreibt: „Da er die Seinen, die in der Welt waren liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zu Ende“. Jesus gibt seinen Leib und sein Blut, sein Leben und seinen Tod zum Geschenk. Für uns. Er schenkt uns alles, was ihn ausmacht. Und was macht ihn aus? Es ist die Liebe. Aus Liebe zu uns hat er gelebt. Aus Liebe zu uns ist er gestorben. Für dich, für mich, für jeden persönlich.

Jesus sagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“

Jeder von uns ist eingeladen, sich zu fragen: Wie handelte Jesus beispielhaft? Wo ist er für mich in meinem Leben ein Vorbild? Wo nehme ich IHN in meinem Leben wahr?

Im Gottesdienst möchte Gott uns dienen. So schenkt sich Jesus uns mit allem was er an Liebe geben kann, in der Gestalt von Brot und Wein. Es bleibt letztlich ein Geheimnis des Glaubens, dass Jesus uns in der Eucharistie begegnen, uns zur Nahrung und zur Stärkung werden möchte. Daher bete ich oft, wenn ich zur Kommunion gehe, vor dem Empfang still: Herr lass mich dieses Geheimnis immer mehr verstehen und mach mich, durch dich in diesem Brot, immer mehr zu einem Menschen, der liebt.

Wir sind eingeladen uns durch Jesus bereichern zu lassen, indem wir Jesu Vermächtnis, seinen Auftrag an uns heute in die Tat umsetzen: Nämlich seine Liebe anderen weiter zu schenken. Ob Corona-Zeit ist oder nicht - jeden Tag gibt es dafür aufs Neue Tausende von Möglichkeiten. Und wir Christen wissen, wo eine unerschöpfliche Kraftquelle ist, um gerüstet zu sein. für seinen Auftrag:  „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“

Mit den besten Wünschen für die kommende Zeit, grüßt Sie, ihr Gemeindereferent Manuel Kenter

Wenn sie die Predigt auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Gedanken Evangelium Gründonnerstag (MP 3, 3,3 MB)

 

Gedanken zum Evangelium des Palmsonntages

Der Einzug Jesu in Jerusalem (Matthäus 21,1-11)

"Verantwortung in schwierigen Zeiten" .

Die Verantwortlichen für unsere Stadt und unser Land haben es während der weltweiten Corona-Krise wahrlich nicht leicht. Wie sie mit der Gefahr durch das neue Virus umgehen, zeigt sehr deutlich, wie sie Politik verstehen, Entscheidungen fällen und für die Menschen da sind.

Die einen wägen sachlich ab, hören auf die Experten und beraten sich mit anderen Politikerinnen und Politikern. Es sind die, die immer wieder erklären, welche Folgen ihre Entscheidungen haben. Sie machen die Beschlüsse unabhängig von Meinungsumfragen.

Da sind die anderen, die erst nach und nach verstehen, dass Ergebnisse von Meinungsumfragen für Entscheidun-gen in einer Krise trügerisch sein können. Denn das, was kurzfristig ganz toll ankommt, erweist sich nach ein, zwei Wochen als großer Irrtum, weil man die Erkenntnisse von Wissenschaftlern und die Erfahren von anderen Verantwortlichen einfach ausgeblendet hat.

Die Frage ist doch: Was sind gute Gründe, so und nicht anders zu entscheiden? Sind die guten Gründe so weit wie möglich gesicherte Erkenntnisse und zuverlässige Einschätzungen oder ist der gute Grund einfach nur, toll bei der Mehrheit der Bevölkerung anzukommen?

Verantwortlich sein für andere  -  Macht ausüben für an-dere, für das Gemeinwohl, für die Bevölkerung  -  in solch eine Lage kam auch Jesus mit seinem öffentlichen Wirken, um das Reich Gottes in Israel einzupflanzen. Er wirkte und redete für die Kranken, für die Ausgegrenz-ten, für ein erneuertes Leben im Sinne der Überlieferung seines Glaubens an den Gott, der Menschen befreit  -  hin zu einer Liebe, die den anderen liebt, wie sich selbst.

Das kam an im Volk. Als er die Hauptstadt zum Pascha-fest aufsuchte, war er populär. Die Menschen begrüßten ihn mit grünen Zweigen und Hochrufen. Dass er einen Esel ritt, war die untrügliche Botschaft aus der Heiligen Schrift: Das ist der prophetische Messias, den wir so sehr erwarten. Er wird uns befreien  -  von der Unterdrückung durch die Besatzungsmacht, von dem Regime, das unsere Freiheit nicht wirklich respektiert, von Armut und Krankheit.

Ja, so war sein Wirken bei den Leuten angekommen. Der Evangelientext spricht einfühlsam von der Sanftmut dieses Messias. Jesus ließ die Leute machen am Palmsonntag. Er korrigierte sie nicht, denn er war entschieden für eine Erneuerung des ganzen Lebens, hin zu einer neuen Weise, Gottes Gebote der Menschenfreundlichkeit zu erfüllen.

Dass er seine Erfahrungen mit Gott konsequent äußerte, machte ihn schließlich zu einem, der den Leuten nicht nach dem Mund redete. Er redete so, wie er glaubte, dass Gott es wollte. Es waren Worte, die der damaligen weltlichen und religiösen Politik gefährlich wurden. Die politisch Verantwortlichen hätten sich selber und ihr System der persönlichen Ermächtigung über andere radikal ändern müssen.

So landete Jesus vor dem Gericht. Die Masse der Leute verurteilte ihn nun, weil er ja nichts auszurichten hatte gegen Rom, gegen die Unterdrücker, gegen die ungerechte Herrschaft. Er hatte nichts auszurichten  -  außer zu lieben, wie niemand sonst es getan hatte, bis zum Schrei am Kreuz: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Schreiend suchte er Gott und eröffnete für alle Menschen einen Weg aus der radikalsten Krise, dem persönlichen Tod. Er vertraute ohne Grund und liebte bis zuletzt. ---

Kann Jesu Leben ein guter Grund sein, heute Politik zu machen  -  ohne die Absicht, sich von Meinungsumfragen leiten zu lassen und dadurch populär zu werden? Ich meine: Ja.  

  • Ich erkenne das, wenn die These: „Alte Menschen sind weniger wert als junge Menschen“ abgewiesen wird.
  • Ich erkenne das, wenn die Isolation von alten Menschen in Frage gestellt wird.
  • Ich erkenne das, wenn ärztliche und pflegerische Dienste sich ganz einsetzen für die Kranken, aber auch ihre Überforderung anmahnen.
  • Ich erkenne das, wenn gesellschaftliche und wirtschaftli-che Programme gestartet werden, die dafür sorgen, dass unser weltweites Zusammenleben und Überleben eine neue Basis erhalten sollte.

Ich erfahre auch etwas vom Reich Gottes, das Jesus eingepflanzt hat auf unserer Erde, wenn Menschen einfach persönlich einander helfen über alle Konventionen hinweg.

Unser Gebet forme uns, damit wir reden und tun, was Jesu Worten und Taten entspricht. Es ist nicht unbedingt das, was gerade mal populär ist.

Georg Schröder, 3. April 2020

Wenn sie die Predigt auch hören möchten, finden Sie hier den Link dazu: Predigt v. Pamsonntag (als MP3,  ca. 3 MB)

Gedanken zu den Evangelien