Schmallenberg vor dem Wilzenberg
Kirche BödefeldGotteslob

"In drei Tagen zu Fuß von Arpe nach Werl“

Ein Reisebericht…

Mit 39 Pilgerinnen und Pilgern traf die Arper Fußwallfahrt am Samstag, dem 01. Juli 2017 pünktlich um 16.00 Uhr in Werl ein. Bereits am Freitag starteten 31 Teilnehmer/innen in Arpe; 18 davon übernachteten bei Gastfamilien in Westenfeld. Ebenfalls 18 Teilnehmer/innen übernachteten im Jugendheim in Werl. Der älteste Teilnehmer war 77 Jahre alt; der jüngste 11 Jahre. Viele Teilnehmer stammen aus dem pastoralen Raum Schmallenberg- Eslohe; eine Teilnehmerin stammt aus Schloß Holte, ein Teilnehmer aus Wipperfürth. Insgesamt legten alle Pilger/innen zusammen rund 2500 Kilometer zu Fuß zurück; beteten unterwegs 12 Rosenkränze und sangen ungezählte Lieder.

Das Wetter zeigte sich am Freitag ausgesprochen freundlich: nicht zu warm, leichter Wind und ein kleiner Schauer, der nicht störte. Der Dauerregen am Samstag machte zwar den Schirm erforderlich, richtig gestört hat der Regen aber nicht, zumal sich nachmittags mit der Ankunft in Werl die Sonne zeigte.

Das alles sind reine Fakten der Wallfahrt, reine Äußerlichkeiten. Was aber macht eine solche Wallfahrt aus? Was empfinden Wallfahrer unterwegs? Was geschieht mit einem an zwei Tagen in Gottes freier Natur? Antworten kann dazu nur jeder Einzelne geben, weil das Erleben und die Erfahrungen individuell sind. Was aber dazu beiträgt, eine erlebnisreiche Wallfahrt zu haben, ist der Ablauf der Pilgerreise.

Ein festliches Pilgeramt in der St.-Antonius-Kirche in Arpe, bei dem Pfarrer Richter in seiner Ansprache den Sinn dieser Wallfahrt hervorhob. Die Segnung der Wallfahrtskerze und eines kleinen Kreuzes sowie der Pilgersegen zum Abschluss berühren ebenso, wie die liebevollen Abschiedsgrüße von Angehörigen und Gemeindemitgliedern.

Auf dem Weg zum ersten Zwischenziel, dem Marienbildstock auf dem Silberg, oberhalb von Arpe, steht die Begegnung der Pilger/innen untereinander im Vordergrund. Wer ist wieder mit dabei? Wer ist neu? „Wie geht es dir?“ „Wo kommst du weg?“ Es gibt einiges auszutauschen, bis es beim Marienbildstock heißt: Kerze anzünden, Angelus beten und für einen spirituellen Impuls aufmerksam zu sein. Schon geht’s weiter bis nach zwei Stunden die erste Rast in Kückelheim (Esloher Land) eingelegt wird. Hier hat jeder einen guten Appetit auf seine mitgebrachten „Bütterkes“, auf geschnittene Äpfel und Paprika oder auf die Süßigkeiten, die der Helfer der Malteser als Zugabe spendiert.

Schon geht´s weiter zum dritten und vierten Anstieg, die am ersten Tag bewältigt werden müssen. Sowohl der Bergrücken bei Fretterspring/Hasenknick als auch der steile Weg durch den Dümpel am ehemaligen Berghotel vorbei zum Birkenbruch treiben den Schweiß auf die Stirn. Für diese Strapazen entschädigt um 16.00 Uhr eine Kaffeepause mit heißem Kaffee und leckerem Erdbeerboden und Schlagsahne bei Familie Eickhoff in Meinkenbracht. Diese Gastfreundschaft gewährt die Familie bereits seit 26 Jahren; dafür bedankten sich die Pilgermit einem Präsent. Manch einer freut sich hier schon auf die Wallfahrt im kommenden Jahr. Über Linneper Hütte und Linnepe geht es anschließend nach Westenfeld.

Die Glocken der St.-Agatha-Kirche läuten zum Empfang. Pfarrer Klamann begrüßt die Pilger und beendet den ersten Tag mit einem spirituellen Gedanken und dem Segen. Das diese kleine Andacht die letzte Amtshandlung für Pfarrer Klamann gewesen ist, war für beide Seiten ein besonderer Moment. Alle guten Wünsche der Pilger begleiten den zukünftigen Pensionär in dessen neuen Lebensabschnitt.

Jetzt aber ab zum Abendessen: Familie Funke erwartet die Pilger in ihrem Gasthof; kühle Getränke und ein reichhaltiges und leckeres Abendessen lassen die Strapazen des ersten Tages vergessen. Kaum ist der Teller leer, stehen schon die Gastgeber bereit, um ihre „Pilger“ abzuholen. Dank der liebevollen Unterstützung des Westenfelder Pfarrgemeinderates ist es gelungen, wieder neue Gastgeber zu gewinnen, welche Fußpilger kostenlos über Nacht aufnehmen und beherbergen. Dankeschön an Westenfeld!

Früh aufstehen heißt es am Samstagmorgen; trotz wenig Schlaf geht es Punkt 06.00 Uhr nach dem gemeinsamen Frühstück im Gasthof Funke weiter. Der Regen kann den Pilgern nichts anhaben. Um 08.00 Uhr hallt der Glockenschlag der Pfarrkirche Franziuskus- Xaverius in Wennigloh den Pilgern entgegen. Es ist ein ergreifender Moment, durch die weit geöffneten Türen in diese schöne Kirche einzuziehen. Ein Moment der Stille und des Nachdenkens kennzeichnet diesen Aufenthalt. Anschließend heißt es, sich stärken bei einem zweiten Frühstück im Jugendheim. Frau Richter und Frau Blume als die guten Seelen der Pfarrgemeinde haben Kaffee gekocht; der tut gut!

Von Wennigloh geht es nun hinunter an die Ruhr und weiter nach Hüsten.  Auf dieser Etappe liegt der „Schweigewald“. Über einen schmalen Pfad mitten durch den Wald gehen; den Vögeln, dem Wind und der Natur lauschen; seinen eigenen Gedanken nachgehen; kein Wort das stört - einfach nur Stille. Viele Teilnehmer freuen sich auf diese 45 Minuten.
„Ein Haus voll Glorie schauet …“ singt die Gruppe bei der Ankunft in der St. Petri Kirche in Hüsten, während auch ihre Glocken zu unserem Empfang läuten. Der Hunger auf die leckere Gemüsesuppe und den Erdbeerquark scheint in diesem Jahr besonders groß zu sein; hätten wir doch fast das Tischgebet vergessen. Familie Sandermann, die uns seit Jahren treu versorgt, freut sich über so viel Lob.

Doch plötzlich kommt Spannung auf: Bleibt den Pilgern aus Arpe diese „Raststätte“ erhalten? Frau Sandermann geht im kommenden Frühjahr in den Ruhestand; wie steht der neue Pfarrer Daniel Maiworm zu dieser Veranstaltung. Dieser stellt bei seiner Begrüßung schnell klar: „Bewährtes bleibt!“ Der Applaus der Arper Pilger/innen ist im sicher. Und auch Frau Sandermann wird uns auch in ihrem Ruhestand weiter versorgen. Dankeschön!

Schon geht´s weiter durch den hektischen Verkehr in Hüsten zum Ruhrtalradweg; endlos scheint diese Etappe über den geteerten Weg. Danach der Anstieg zum „Totenberg“, der sich schlimmer anhört, als er tatsächlich ist. Von dort geht es weiter Richtung Haarstrang und Börde; freie offene Felder kennzeichnen den Weg; die Sauerländer Wälder liegen hinter uns. Der Regen lässt nach und nach dem letzten Anstieg auf den Haarstrang lässt sich das Ziel der Wallfahrt erkennen: die Türme der Wallfahrtsbasilika. Das macht Mut, auch die letzten Kilometer zu bewältigen. Eine letzte Erfrischung und Stärkung gibt es auf dem Hof Rüsse, an der Blumenthaler Haar. Tee und leckerer Plattenkuchen werden uns serviert. Jetzt sind es nur noch 45 Minuten bis zur Ankunft; der letzte Rosenkranz, der gebetet wird, gilt den persönlichen Anliegen eines jeden Einzelnen von uns. Schon vor der Fußgängerzone erwartet uns Pater Ralf in Begleitung zweier Ministranten. Auch unsere Gemeindereferentin Irmtrud hat es sich nicht nehmen lassen, uns in Werl zu begrüßen.

Der Einzug in die Wallfahrtsbasilika mit Glockengeläut und dem Spiel der Orgel ist für jeden, der mitgegangen ist, ein hoch emotionaler Moment. Unsere Wallfahrtskerze wird angezündet. Pater Ralf kennt die Geschichte der Arper Wallfahrt und kann froh gelaunt verkünden: „Das Menske ist zu Hause und da bleibt es auch!“

Angekommen! In Werl - bei der Gottesmutter Maria - und vielleicht auch bei sich selbst. Ein Moment zum Innehalten für jeden!

Nach den Begrüßungsandacht warten draußen schon Freunde und Verwandte, Ehepartner und Kinder. „Wie war es?“ wollen alle neugierig wissen. „Es war schön, richtig schön!“ ist allenthalben zu hören.

Weiter geht’s zum Jugendheim der Probsteikirche; Frau Ferber hält den Schlüssel für uns bereit und begrüßt uns herzlich. Alles ist wie immer gut vorbereitet. Schnell die Matratzen hergerichtet, Duschen und Waschen, denn um 18.00 Uhr will niemand den feierlichen Einzug der 130 Pilger aus Much (Bergisches Land) verpassen.

Der Abend mit der Lichterprozession, der Sonntag mit Stadtprozession und Festhochamt auf dem Kreuzwegplatz und die Schlussandacht sind weitere Höhepunkte der 3tägigen Wallfahrt. In Werl hat aber auch jeder genug Zeit für sich und seine eigenen Pläne.

Bereits vor der Schlussandacht am Sonntag sind die Matratzen wieder verladen; das Jugendheim ist sauber; Zeit um Abschied zu nehmen. Frau Ferber hat schon für kommendes Jahr reserviert, der Bus für die Rückfahrt steht bereit. Herzliche Umarmungen und „Bis nächstes Jahr!“.

Doch: nicht alle fahren mit zurück. 4 Mann -begleitet vom Tarnsportwagen- machen sich zu Fuß auf den Rückweg; natürlich mit Wallfahrtsfahne. 14.00 Uhr ab Werl; 21.00 Uhr Ankunft Arnsberg, SGV-Jugendhof; 08.30 Uhr ab Arnsberg; 18.30 Uhr Ankunft in Arpe. Das sind die äußerlichen Werte dieses Rückmarsches, der inhaltlich sicher besonders intensiv ist. Dazu müsste man die vier bzw. fünf selbst befragen.

Der Dank gilt allen, die geholfen haben, diese Wallfahrt durchzuführen!

H. Sapp

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